Physik/Medizin

C-14-Verfahren gegen Übergewicht

Uschi Sorz | aus HEUREKA 5/11 vom 23.11.2011

Aus medizinischer Sicht ist ein besseres Verständnis des Fettstoffwechsels die Basis für die Vorbeugung und Behandlung von Übergewicht. Obwohl sich die Körperfettmasse aus der Bilanz von Aufnahme und Abbau ergibt, ist die Dynamik dieser Prozesse noch kaum bekannt. "Es war bisher nicht klar, wie lange menschliche Fettsäuren gespeichert werden, oder ob es hier mehrere Reservoirs mit unterschiedlich langer Speicherdauer gibt“, sagt Peter Steier vom Institut für Isotopenforschung der Fakultät für Physik an der Uni Wien.

Im Rahmen einer Kooperation unter der Leitung des Karolinska-Universitätsspitals und des Karolinska-Instituts in Stockholm haben Wiener Physiker der Gruppe Isotopenforschung dazu beigetragen, die Wissenschaft auf diesem Gebiet einen entscheidenden Schritt voranzubringen. Als Spezialisten für C-14-Messungen haben sie mithilfe dieses Verfahrens menschliches Fettgewebe analysiert. Die neuen Erkenntnisse wurden kürzlich in Nature publiziert.

"Wir haben festgestellt, dass Übergewicht sowohl durch eine erhöhte Fettaufnahme als auch eine längere Speicherdauer zustande kommt“, fasst Steier zusammen. Es zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen Normal- und Übergewichtigen: Letztere speichern mehr Fett über längere Zeit. "Die Schlussfolgerung, dass man an beiden Punkten ansetzen kann, wird künftig bei Überlegungen zu Gegenmaßnahmen bedeutsam sein.“

Die Konzentration von Kohlenstoff-14 (C-14), einem radioaktiven Spurenisotop, das auch in der Natur vorkommt, gibt Aufschluss über das Alter von organischen Stoffen.

Seit sich der C-14-Gehalt in der Atmosphäre aufgrund der oberirdischen Kernwaffentests Mitte des 20. Jahrhunderts verdoppelt hat und erst nach 1963 durch den weitgehenden Verzicht darauf wieder kontinuierlich gesunken ist, kann man jedem Jahr einen C-14-Wert zuordnen. "Wenn ich einen bestimmten Wert in einer Probe finde, weiß ich, aus welchem Jahr sie stammt“, sagt Steier.

C-14 reichert sich in der Nahrungskette an und spiegelt sich daher auch im Fettgewebe wider. "An der Fakultät für Physik haben wir einen Beschleunigermassenspektrometer, mit dem wir den C-14-Gehalt im Triglycerid bestimmt können. Im Zuge seiner Dissertation hat Jakob Liebl die Messungen ausgeführt.“

Die Großforschungsanlage trägt den Namen Vienna Environmental Research Accelerator (VERA) und gilt international als Referenzinstrument. "Hier haben wir in den letzten 15 Jahren Pionierarbeit geleistet“, so Steier. "Daher können wir international eine Menge Erfahrung einbringen.“

Das Wiener Institut für Isotopenforschung wird weiterhin mit den schwedischen Kollegen zusammenarbeiten - auch auf anderen medizinischen Gebieten: "Wir erwarten, noch mehr interessante Ergebnisse zu finden“, ist Steier optimistisch. Die Initialzündung zu dieser erfolgreichen Forschungskooperation mit den Schweden hatte vor Jahren Walter Kutschera, mittlerweile emeritierter Professor und Initiator von VERA, gegeben.

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