Fehlt Arbeit oder mangelt es an Könnern?

Gunnar Heinsohn | aus HEUREKA 5/11 vom 23.11.2011

Verhindern Rassismus oder doch der, Intelligenzismus‘ eine gerechte Verteilung der Arbeit?

Wie jedes Vermögen hat auch der Arbeiter eine Besitzseite und eine Eigentumsseite. Da diese in seiner Freiheit besteht, kann man sie nicht für Verpfändung, Verkauf oder Vollstreckung aktivieren. Dafür erlaubt sie die Vermietung der Besitzseite aus Hand und Hirn und damit ohne Zins und Sicherheiten das Erlangen von Geld. Das allerdings muss - mit Risiko des Pfandverlustes - ein Unternehmer leihen. Deshalb sucht er Leute, die seine Schulden durch Ausdenken und Umsetzen von Neuerungen bedienbar halten. Infrage kommen dafür nur Arbeiter, die sich ebenfalls stetig modernisieren.

Wie ein Fabrikant Heiterkeit hervorriefe, wenn er Staatsbeamte für die Umrüstung seines Betriebs anforderte, so müssen auch Arbeiter erstaunen, die von der Obrigkeit die Umrüstung ihres Kopfes erwarten. In Deutschland oder Österreich aber sind 20 bis 30 Prozent des Nachwuchses gar nicht fähig, sich auf Stand zu bringen.

Wie eine Firma nur durch Übertreffen der Konkurrenz Verkäufe für die Schuldentilgung sichern kann, so lässt sich auch Erwerbslosigkeit nur begrenzen, wenn jeder sich eigenverantwortlich modernisiert. Deshalb will man die fehlende Ausbildungsreife eines Viertels der Jugend pädagogisch überwinden. Aber können Beamte Kindern allgemein Lern- und Leistungskompetenz vermitteln? Niemand hat länger optimale Bildungsmilieus genossen als Amerikas Weiße. Dennoch kann man sie in Mathematik nicht auf das Niveau von Ostasiaten bringen, die bei Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe besonders rar sind. Dabei müssen sie in einer fremden Sprache und einem neuen Alphabet den Kampf aufnehmen. Dennoch bauen sie in Mathematik (SAT) zwischen 2000 und 2010 ihren Vorsprung gegenüber Weißen von 31 auf 55 Punkte aus. Die Verdreifachung der US-Erziehungsausgaben seit 1970 hilft vor allem ihnen und belegt einmal mehr, dass Förderung den Gescheiten am meisten bringt.

Hingegen erreichen siebzehnjährige Hispanics und Afro-Americans - 50 Prozent der Neugeborenen 2011 - auch weiterhin nur das Schulniveau dreizehnjähriger Weißer (National Assessment of Educational Progress). Sie stehen aber vor mehr Konkurrenz als 1970, weil 50 Millionen Südkoreaner und 1,34 Milliarden Chinesen neu in die Eigentumsökonomie eintreten und aus dem Stand vom Acker- in den Computerbau wechseln können.

Weil Intelligenz keinen Grenznutzen hat, gibt es auch für Musterschüler niemals Entspannung. Noch die Gruppe aus 99,75 bis 100 Prozent zeigt mehr Spitzenleistungen als die Konkurrenz von 99,00 bis 99,25 Prozent (Psychological Science, 2008). Man kann mit Hypermilliarden das Niveau einer Million Kindern durchaus ein paar Punkte angeben, ohne von ihnen auch nur ein einziges Patent zu bekommen, während ein Einziger ohne Förderung gleich zwanzig vorlegt.

Weil Pädagogik kaum etwas ausrichtet, kannibalisieren sich die 60 Nationen mit weniger als 1,8 Kindern pro Frau gegenseitig. So verlangsamen Singapur oder Kanada durch Talente aus China ihre Vergreisung und werden auch noch gescheiter. In die Schweiz flüchten sich deutsche Fachleute. Afrikanern aber versperrt man die Türen, obwohl sie von nur 20 Prozent der europäischen Bevölkerung 1900 auf 300 Prozent bis 2050 zulegen und unseren Geburtenausfall spielend ausgleichen könnten.

Selbst Deutschland, dessen Wunderkrippe schon die Kleinsten in Matheasse verwandeln werde, reißt seine Tore nicht auf. Ist das Rassismus oder nur der ewige, Intelligenzismus‘, der ungeachtet aller Verschleierungsmanöver auch innerhalb der Ethnien und selbst unter Multikultis eisern zum Zuge kommt?

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