Erste wissenschaftliche Un-Konferenz in Wien

aus HEUREKA 5/11 vom 23.11.2011

Ende Oktober fand in Wien zum ersten Mal ein SciBarCamp statt. Wir sprachen mit der Co-Organisatorin Brigitta Dampier

Interview: Sabine Edith Braun

Heureka: SciBarCamp - was ist denn das?

Brigitta Dampier: Eine "Un-Konferenz“, bei der das Programm durch die Teilnehmer gestaltet wird. Die Un-Konferenz bietet Freiräume, wo sich die Teilnehmer entfalten können. Spontaneität und Kreativität sind erlaubt. Es gibt kein vorgegebenes Programm, keine Hierarchien. Jeder kann kommen und sprechen. Es gibt keinen Selektionsprozess im Vorfeld. Auf gewöhnlichen Konferenzen trifft sich stets dieselbe Community. Das verengt den Blickwinkel. Wir haben Leute aus den verschiedensten Ecken zusammengebracht.

Wie kam es nach Wien?

Dampier: Das BarCamp kommt aus der IT-Branche und wurde dann von der Social Media-Branche aufgegriffen. Mein Kollege, der Biomediziner Michael Horak, und ich wollten es auf die Wissenschaft übertragen. Wissenschaftliche BarCamps gab es in Cambridge, Palo Alto und Toronto. Wir haben uns das SciBarCamp in Cambridge angeschaut und es hat uns gefallen.

Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Dampier: Sehr! Mit 50 Teilnehmern waren wir ausgebucht! Obwohl es nicht so leicht war, die Leute dazu zu bringen, wo zu reden, wo sie nicht genau wissen, was sie erwartet! Aber das Feedback war sehr gut.

Das SciBarCamp - eine Art Jobbörse für Jungwissenschafter?

Dampier: Es ist ein Begegnungsort, wo Firmen auf Absolventen treffen und Start-ups zeigen können, wie es gehen kann. Die Vernetzung klappt, weil der Rahmen klein ist. Das war einer der Schwerpunkte: Raum für informellen Austausch schaffen. Klassische Jobbörse sind wir keine!

Das Logo tendiert in Richtung Naturwissenschaft …

Dampier: Michael Horak und ich sind Naturwissenschafter. Und obwohl wir selbst das BarCamp in diesem Fokus sahen, haben wir es bewusst allgemein Science genannt. Es wäre spannend zu fragen: Was ist eigentlich Wissenschaft, und warum ist der Begriff so auf die Naturwissenschaft fixiert?

Wie prekär sind die Naturwissenschaften?

Dampier: Vom Standpunkt der Biochemikerin gesprochen, gibt es zwei Möglichkeiten: Erstens die akademische Laufbahn. Doch die Forschungsförderung ist nicht sehr gut. Viele hanteln sich von Projekt zu Projekt. Von den Unis kommt wenig Unterstützung. Auch Dissertationen dauern zu lange - verglichen mit zum Beispiel Großbritannien. Die zweite Möglichkeit ist die industrielle Forschung. Doch die meisten großen Firmen - Boehringer Ingelheim und Baxter sind Ausnahmen - haben die Forschung aus Österreich abgezogen. Die findet in Großbritannien oder den USA statt. Als Naturwissenschafterin landet man dann eher im Marketingbereich. Bei technischen Studien schaut es besser aus.

Was machen Sie selbst?

Dampier: Derzeit bin ich selbstständig tätig als Consultant und Trainer für die Pharmaindustrie. Mein Spezialgebiet sind klinische Studien.

Wird es 2012 wieder ein SciBarCamp geben?

Dampier: Der Erfolg hat gezeigt, dass der Bedarf da ist!

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