Arbeit: Das Glossar

Jochen Stadler | aus HEUREKA 5/11 vom 23.11.2011

Arbeit ist gleich Kraft mal Weg, lehrt uns die Physik. Und was es sonst zu Arbeit gibt, findet sich hier

Arbeit

• Betriebswirtschaftslehre Alle geistigen und körperlichen Tätigkeiten, die Güter oder Dienstleistungen produzieren.

• Philosophie Der Mensch arbeitet, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, sich sozial abzusichern, den Status in der Gesellschaft zu halten oder zu verbessern und an Innovation, Kunst und Kultur teilzuhaben.

• Physik Arbeit ist gleich Kraft mal Weg.

• Sozialwissenschaft Ob bezahlt oder brotlos, Arbeit ist alles, was Menschen bewusst tun, um zu überleben. Wenn Vögel aus Instinkt Nester bauen oder Pferde den Pflug ziehen, bezeichnen dies manche Sozialwissenschafter und Sozialwissenschafterinnen schon als Arbeit, manche aber auch nicht.

• Volkswirtschaftslehre Ein Produktionsfaktor, so wie Boden und Kapital. Arbeit ist menschliche Beschäftigung, die Bedürfnisse anderer Personen befriedigt und mit einem Einkommen belohnt wird. Das kostenfreie Schuften von Hausfrauen oder -männern und ehrenamtliche Tätigkeiten gehören nicht dazu.

Arbeiter/Arbeitnehmerin

Stellt seine/ihre geistige und/oder körperliche Arbeitskraft gegen Bezahlung zur Verfügung und verpflichtet sich, Anweisungen des Arbeitgebers umzusetzen.

Arbeitgeberin/Arbeitgeber

Kauft Arbeitskraft und bietet einen Arbeitsplatz.

Arbeitsmarkt

Meist fiktiver Ort, an dem Arbeitssuchende ihre Dienste anbieten und ArbeitgeberInnen diese annehmen.

Arbeitsteilung

Nahmen früher Handwerker ein Stück Holz in die Hand, schufen daraus einen Schrank und verkauften ihn an KundInnen, so sind diese Arbeiten heute meist auf viele Akteure und Akteurinnen aufgeteilt. Die Arbeit wird effektiver, doch es ist aufwendiger, die einzelnen Schritte zu koordinieren.

Assessment-Center

Stresstest für Bewerber und Bewerberinnen. Einen oder mehrere Tage lang werden sie auf fachliche und soziale Kompetenzen, Stressresistenz und Persönlichkeit getestet und schließlich einem Unternehmen empfohlen oder nicht. Wurde 1920 von der deutschen Reichswehr erstmals bei Offiziersanwärtern eingesetzt.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Durch die digitale Revolution gehen Arbeitsplätze verloren, viele Tätigkeiten wie die Kinder- und Altenbetreuung und das Führen eines Haushalts werden ohnehin finanziell meist ignoriert. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, das jeder Mann und jede Frau bekommt, ob bedürftig oder nicht, ob arbeitswillig oder nicht, sei gerechter und würde jedem Menschen erlauben, ein passables Leben zu führen, sagen Befürworter wie der dm-Gründer Götz Werner. Alle anderen Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Kindergeld könnte man sich damit sparen sowie auch das aufwendige Prüfen nach der Bedürftigkeit der Empfänger und Empfängerinnen. Wer macht dann die unangenehmen Arbeiten für wenig Geld, kritisieren die Gegnerinnen und Gegner. Die müssten dann attraktiver, besser bezahlt oder automatisiert sein, so die Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens.

Boreout-Syndrom

Engl.: bore = langweilen. Auch Langeweile in der Arbeit kann krank machen. Werden Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen unterfordert, weil sie zu wenig oder nur anspruchslose Aufgaben haben, füllen sie ihre Dienstzeit oft mit Tätigkeiten wie Plaudern und Internetsurfen. Dabei bemühen sie sich, beschäftigt und gestresst zu wirken, um nicht noch mehr öde Arbeit aufgehalst zu bekommen und den Job nicht zu verlieren. Bald entwickeln sie dieselben Symptome wie gestresste Burnout-PatientInnen.

Burnout-Syndrom

Engl.: burn out = Ausgebranntsein. Körperliche, emotionale und geistige "totale Erschöpfung“ durch chronischen Stress am Arbeitsplatz, verbunden mit mangelnder Belohnung. Burnout ist für die Betroffenen eine existenzielle Krise, die eigene Arbeit empfinden sie als sinnlos. Personen, die sich hohe Ziele stecken und keine Kompromisse bei ihrer Leistung eingehen wollen, sind besonders gefährdet.

Digitale Revolution

In der industriellen Revolution ersetzten Maschinen die menschliche Muskelkraft, jetzt nehmen sie uns auch das Denken ab. Das machen schnelle Mikrochips möglich sowie automatisierte Produktionsmethoden und weltweite Kommunikationsnetzwerke wie das Internet.

Ende der Arbeit

1995 warnte der US-amerikanische Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin in seinem Buch "Das Ende der Arbeit“, dass die digitale Revolution zig Millionen Arbeitsplätze vernichten würde. Damit die Menschen trotz dieser Entwicklung ihren Lebensunterhalt bestreiten können, schlägt er ein bedingungsloses Grundeinkommen vor.

Entfremdete Arbeit

Wenn Arbeiterinnen und Arbeiter ganz stereotyp nur mehr einzelne Arbeitsschritte für ein Produkt machen, das sie am Ende gar nicht sehen, dann entfremdet sie das ihrer Arbeit, so Karl Marx.

Freie Dienstnehmer

Personen in Österreich, die sich verpflichten, bestimmte Leistungen zu liefern, um dafür honoriert zu werden. Zum Beispiel eine Journalistin, die allwöchentlich für den Karriere-Teil einer Zeitung schreibt. Im Gegensatz zu einem angestellten Kollegen kann sie frei entscheiden, wann und wo sie arbeitet.

Freizeit

Jene Zeit, in der man keinen Verpflichtungen nachgehen muss. Jedenfalls nicht solchen, die bezahlt sind. Sie gibt es erst seit der Industrialisierung. Damals wurde sie bei 16-Stunden-Arbeitstagen und 7-Tage-Arbeitswochen sehr wertvoll. Seither nimmt bei uns die Freizeit zu und die Arbeitszeit ab.

Ich-AG

Wurde in Deutschland zum Unwort des Jahres 2002 gekürt und bezeichnet dort ein Ein-Personen-Unternehmen, das von einer oder einem Arbeitslosen gegründet wurde, was 2003 bis 2006 vom Staat gefördert wurde. In Österreich wird der Begriff oft synonym mit Neuen Selbstständigen verwendet.

Internationale Arbeitsorganisation

Die International Labour Organization ILO ist eine Einrichtung der UNO mit Sitz in Genf. Sie wurde nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919 als Teil des Friedensvertrags von Versailles gegründet, um international gültige Arbeitsstandards zu schaffen. Die internationale Staatengemeinschaft war sich damals bewusst, dass es ohne soziale Gerechtigkeit, zu der auch verträgliche Arbeitsstandards gehören, keinen anhaltenden Frieden geben kann. Ihre Arbeit wurde 1969 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Kunst

Mit Arbeit spinnefeind. Künstlerinnen und Künstler leisten keine Arbeit, sie produzieren Werke: Kunstwerke.

Neue Selbstständige

Arbeiten typischerweise zu Hause oder im eigenen Büro, verfügen frei über ihre Arbeitszeiten und -abläufe und haben kein geregeltes Einkommen.

Praktikum

In Österreich laut Gesetz ein normales Dienstverhältnis.

Prekariat

Personen mit misslicher Einkommenssituation, zum Beispiel einkommensschwache Selbstständige, Arbeiterinnen und Arbeiter auf Zeit, PraktikantInnen, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose und erfolglose WissenschafterInnen werden dieser neuen Klasse zugeordnet.

Produktivität

Arbeitsproduktivität ist gleich Ertrag je eingesetzter Arbeit und Material. Zum Beispiel Autos pro Stunde und Kilogramm Blech.

Recht auf Arbeit

Laut Artikel 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte haben jede und jeder das Recht, arbeiten zu können. Dabei soll sie oder er den Beruf frei wählen dürfen und angemessen entlohnt werden.

Scheinselbstständigkeit

Als Selbstständige deklarierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Sparen den Unternehmen Steuern und Sozialversicherungsabgaben auf Kosten der Allgemeinheit.

Werkvertrag

Schuldet man einem Auftraggeber ein Werk, das man nicht unbedingt selbst erschaffen muss, und es egal ist, wann und wo man arbeitet, solange man rechtzeitig fertig ist, hat man einen Werkvertrag abgeschlossen.

Work-Life-Balance

Modebegriff für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und einem ausgewogenen Verhältnis von Arbeit und Freizeit.

Workaholic

Engl.: Arbeitssüchtiger. Die Betroffenen arbeiten mit überdurchschnittlichem Einsatz und streben nach besonderen Leistungen. Da, wie bei jeder Sucht, die Dosis ständig erhöht werden muss, können sie ihre hohen Ziele nicht lange erreichen. Bald leidet ihr kostbarstes Gut: die eigene Leistung. In Japan gibt es ein eigenes Wort für den Tod an Überarbeitung: Karˉoshi.

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