Editorial

Christian Zillner | aus HEUREKA 1/12 vom 02.05.2012

Ein Bekannter von mir interessiert sich sehr für wissenschaftliche Programme zum Abnehmen. "Friss die Hälfte“, habe ich ihm vorgeschlagen, doch nein, das ist ihm zu unwissenschaftlich.

Wer es heute nicht mehr zusammenbringt, an einen Gott zu glauben, hält sich eben an die Wissenschaft. Ihre Prognosen - weit mehr als ihre Ergebnisse - beeinflussen unsere gesellschaftliche Entwicklung. Dass sechs Milliarden Autofahrer einen negativen Einfluss auf die Umwelt und damit unser Leben haben, soll uns die Wissenschaft erst einmal beweisen. Weil, dann - was? Hören wir auf, Auto zu fahren? Das wäre doch völlig unwissenschaftlich!

Nein, dann geben wir neue Studien in Auftrag, wie das Umweltproblem zu lösen wäre. Solche Studien nennen gefinkelte Personen "grüne Wissenschaft“. Sehr schön, hält diese doch eine Menge Menschen in Lohn und Brot, dafür muss man dankbar sein.

Nur davon abzuleiten, die Wissenschaft könnte uns etwas über fundamentale Verhaltensweisen zu einem gelingenden Leben vermitteln, ist nichts als faule Ausrede. Die Wissenschaft ist genauso doof wie wir selber - und genauso gerissen, wenn es darum geht, unangenehme Konsequenzen zu vermeiden. Darum haben wir immer mehr Wissenschaft - und kein bisschen mehr Vernunft.

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