Medizin

Weniger Schlaganfall-risiko nach "Ausschälen“ der Arterie als nach dem Setzen eines Stents

Dieter Hönig | aus HEUREKA 1/12 vom 02.05.2012

70 Prozent aller Hirninfarkte sind durch hochgradig verengte Halsschlagadern bedingt. Wird dies rechtzeitig erkannt, kann man dem Schlaganfallrisiko schon besser gegensteuern“, sagt Andreas Franczak, Facharzt für Viszeral- und Gefäßchirurgie in Wien.

Heute werden zur Verbesserung der Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns bei stark verkalkten Halsschlagadern primär zwei Methoden angewendet: Die Aufdehnung der verkalkten Arterie mit Einbringung eines Stents zur Unterstützung der Durchblutung von innen. Oder die vorsichtige Ausschälung und anatomisch korrekte Wiederherstellung der Schlagadergefäße durch einen modernen, rund einstündigen Eingriff bei örtlicher Betäubung. Letzterer stellt, wie eine Großstudie an 2505 Patienten beweist, die nachhaltigste Therapie zur Verhütung eines Hirninfarkts dar.

So ergab die Studie, dass das Risiko, binnen 30 Tagen einen neuerlichen Schlaganfall zu erleiden, bei der operierten Gruppe etwa halb so groß war als bei jenen Patienten, denen ein Stent eingesetzt wurde. Welcher Methode letztlich der Vorzug zu geben ist, kann aber nur individuell von Fall zu Fall entschieden werden.

Speziell für Frauen ist die operative Methode im Vergleich zur Stent-Einbringung von Vorteil, wie Ergebnisse einer im Magazin "Lancet-Neurology“ veröffentlichten Studie zeigen: Die Zahl der Frauen, die während oder kurz nach dem Eingriff Ereignisse wie etwa Schlaganfälle erlitten, war um knapp 80 Prozent höher als bei jenen, bei denen die Halsschlagader ausgeschält wurde.

"Dieses Resultat sollte zusammen mit den früheren Ergebnissen der SPACE-Studie die Entscheidung beeinflussen, ob im Einzelfall der Patientin eher zur Operation als zum Stenting geraten wird“, gibt auch Professor Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zu bedenken.

Bereits vor über fünf Jahren hatte eine von österreichischen, deutschen und schweizerischen Neurologen durchgeführte Untersuchung ähnliche Ergebnisse erbracht.

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