Ökologie

Bibermanagement am Donaukanal

Sonja Burger | aus HEUREKA 1/12 vom 02.05.2012

Der Europäische Biber erobert sich seinen ursprünglichen Lebensraum zurück - auch am Wiener Donaukanal

Der Europäische Biber (Castor fiber) besiedelt heute stellenweise auch den Donaukanal. Aus ökologischer Sicht ist diese Entwicklung unproblematisch. Wie die Bevölkerung auf seine Anwesenheit reagiert, ist stark von deren Betroffenheit abhängig und oft geprägt von Unwissen und Emotionen. Der Nutzen des Bibers ist meist unbekannt.

Die Biber-Expertin Sigrid Scheikl betont deshalb gern, dass er "neue Lebensräume schafft und die Ufer renaturiert“. Sie kommt berufsbedingt besonders nahe an die Biber heran. Im Auftrag der Stadt Wien hat sie vorigen Winter eine umfangreiche Kartierung durchgeführt und die Reviere gezählt. Mit mobilem GPS-Gerät und Kartierformular durchstreiften sie zu zweit alle potenziellen Lebensräume. "Die Arbeit ist sehr anstrengend“, erinnert sich Scheikl, "aber hochinteressant“. Sind die Ergebnisse ausgewertet, hat man nicht nur eine faktenbasierte Diskussionsgrundlage, sondern auch die Basis für ein wissenschaftlich fundiertes Bibermanagement geschaffen.

Der Wiener Forstdirektor und Bibersprecher Andreas Januskovecz ist froh, nun erstmals zuverlässige Daten zu bekommen. Denn obwohl die Biber am Donaukanal auch aus forstwissenschaftlicher Perspektive kein Problem sind, wurden sie in den letzten zwei bis drei Jahren vermehrt zum Thema. Wieso zieht es den Biber dorthin? "Weil sie keine andere Wahl mehr haben“, so Scheikl, "der Nationalpark ist voll“. Dass der Donaukanal stellenweise wieder zu einem potenziellen Lebensraum wurde, gehe laut Januskovecz auf die Ökologisierungsmaßnahmen zurück. Der Steinwurf an den Ufern war mancherorts entfernt worden, weshalb die Biber wieder ihre Röhrensysteme und Uferfurchen anlegen können.

Von Seiten der Stadt Wien wird einiges getan, um die Koexistenz von Mensch und Biber zu ermöglichen. In punkto Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit sieht der Forstdirektor aber noch viel Arbeit auf sich zukommen.

Denn dass der Biber Vegetarier ist und kleine Kinder nicht auf seinem Speiseplan stehen, hat sich noch nicht überall herumgesprochen. "Dieses Unwissen ist oft die Ursache für Konflikte“, so Januskovecz, "weshalb es wichtig ist, die Bevölkerung gut zu informieren“.

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