Soziologie

Die Rückkehr der Kritik in die "marktaffirmative Begleitwissenschaft“ Soziologie

Werner Sturmberger | aus HEUREKA 1/12 vom 02.05.2012

Die Soziologie war nie eine per se kritische Wissenschaft. Ein reformerisches Ethos wohnte ihr aber bereits in der Armutsforschung der aufkommenden Industrialisierung inne. Mit den Studierendenbewegungen der Sechzigerjahre entfaltete sich ein kritischer Impetus, der es auch vermochte, die Disziplin institutionell zu verankern.

Die Kritikbereitschaft der Disziplin wurde jedoch mit Mitte der Achtzigerjahre von ihren Proponenten selbst weitgehend brach liegen gelassen. Man erwarb sich zusehends den Ruf einer marktaffirmativen Begleitwissenschaft. Nun kommt es jedoch wieder zu einer vermehrten Wiederbelebung der kritischen Forschungstradition.

Das bisher deutlichste Signal kommt dabei vom Institut für Soziologie der Uni Jena. Klaus Dörre, Stephan Lessenich und Hartmut Rosa arbeiten an der "Rückkehr der Kritik in die Soziologie“. Einen ersten Entwurf liefern sie mit ihrem 2010 erschienenen Buch "Soziologie - Kapitalismus - Kritik“. Darin bringen sie ihre Überzeugung zum Ausdruck, eine kritische Soziologie müsse Kapitalismus analysieren, um gesellschaftliche Krisen zu begreifen.

Auch hierzulande manifestieren sich vermehrt Anzeichen einer Rückbesinnung auf die gesellschaftskritischen Aspekte der Disziplin. So wartet die Österreichische Gesellschaft für Soziologie mit zwei Sektions-Neugründungen auf: Die Sektion Soziale Ungleichheit widmet sich der Betrachtung der Verschärfung ökonomischer Ungleichheit und neuartiger Formen der Ungleichheit. Die Sektion Migrations- und Rassismusforschung dient als Plattform für die stetig wachsende Migrationsforschung und soll die "Auseinandersetzung mit Rassismus als Bestandteil einer kritischen Gesellschaftstheorie“ institutionell verankern.

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