Nachhaltig vorne in der Forschung

Gunnar Heinsohn | aus HEUREKA 1/12 vom 02.05.2012

Wer zur ökologischen Avantgarde gehören will, muss auch ökonomisch vorne bleiben können

Wer ökologisch zur Avantgarde gehören will, muss auch ökonomisch vorne bleiben. Das gelingt nachhaltig nur mit Innovationen, die auch andere für die Verteidigung ihrer Unternehmen brauchen und deshalb den geforderten Preis zahlen.

Doch kann man diesen Vorsprung durch Forschung nur dann halten, wenn ihre Resultate nicht gleich abgekupfert werden. Zu einer stabilen Eigentumsstruktur gehört mithin ein wirksamer Patentschutz.

Gleichwohl liegen nicht einmal jene 17 europäischen Länder, die bei vergleichbarer Rechtskultur auch noch den Euro gemeinsam verwenden, auf einem Erfindungsniveau.

Betrachten wir dafür die europäischen Patente, die 2009 pro eine Million Einwohner vergeben werden - Miniländer (Malta, Luxemburg und Zypern) und ex-kommunistische Staaten (Estland, Slowakei, Slowenien) bleiben hier unberücksichtigt.

Die Spitzengruppe aus Finnland (132 Talente pro Million), Deutschland (114), den Niederlanden (100) und Österreich (73) liegt Welten vor den überschuldeten Schlusslichtern Spanien (7), Portugal (2,3) und Griechenland (2,2).

Wenn man jetzt in Euroland eine Abspaltung des Nordens diskutiert, dann gehören zu ihm nicht zufällig unsere vier Spitzenreiter sowie das kleine Luxemburg (168). Wer den Südländern selbst im Jahre 2020 noch keine globale Konkurrenzfähigkeit zutraut, findet sich durch ihre verheerende Forschungsbilanz bestätigt.

Sicher wirken hinter dieser Diskrepanz mehrere Faktoren. Dazu aber gehört einer, der in den Analysen gerne umgangen wird, nämlich die durchschnittliche Intelligenz einer Region oder Nation.

Auf Heiner Rindermanns globaler IQ-Rangliste von 2011 schneiden Finnland (Rang 7), die Niederlande (8), Österreich (15) und Deutschland (22) noch relativ passabel ab, während Spanien (35), Griechenland (39) und Portugal (47) nur Sorge bereiten.Doch liefert auch die Durchschnitts-Kompetenz keineswegs den besten Indikator für das Forschungspotenzial. Denn wir wissen seit 2008, dass Intelligenz keinen Grenznutzen hat (Park, Lubinski und Benbow in Psychological Science). Die besten fünf Prozent können also keineswegs alles. Noch die Viertelprozent-Gruppe 99,75 bis 100 Prozent hat mehr Patente, Ideen und Nobelpreise als die Gruppe 99,00 bis 99,25 Prozent.

Die Innovationskraft einer Nation hängt also vor allem von der Leistungsfähigkeit dieser fünfprozentigen smart faction ab. Eine Spitzenkraft mag "teuer“ wirken, zugleich aber mit vierzig Patenten zu Buche stehen. Ein Mittelfeld von vier Millionen Menschen dagegen kann zwar mit Megasummen ein paar PISA-Punkte nach oben kommen, aber es doch niemals in die Innovatorenliga schaffen.

Schon 2009 errechnen Rindermann, Sailer und Thompson (in Talent Development & Excellence), dass Nationen sich auch beim Können ihrer besten fünf Prozent dramatisch unterscheiden, wobei Singapur (127,22 IQ-Punkte) vor Südkorea (125,25) den Weltrekord hält. In Euroland liegen wiederum Finnland (120,92), die Niederlande (119,96), Deutschland (119,72) und Österreich (119,34) am oberen Rand nahe beisammen.

Das Forschungs-Schlusstrio Griechenland (115,46), Spanien (115,19) und Portugal (112,14) steht auch hier wieder ganz unten. Da in allen drei Ländern das Spitzenpersonal durch Auswanderung weiter schrumpft, braucht es schon ein Wunder für die Einhaltung ihrer Versprechen auf Tilgung der vielen hundert Milliarden aus dem Norden ab dem Jahre 2020.

Gunnar Heinsohn ist Soziologe und Ökonom

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