Grün in der Wissenschaft: Das Glossar

Jochen Stadler | aus HEUREKA 1/12 vom 02.05.2012

Nachhaltigkeit ist das Stichwort, wenn man von grüner Wissenschaft spricht. Oder sind es doch die Umwelt-Schweine?

Agenda 21

Von 172 Staaten auf dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro beschlossenes ‚Leitpapier‘ für eine nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert. Die Industrieländer sollten demnach weniger Ressourcen verbrauchen, Schwellen- und Entwicklungsländer die Armut bekämpfen, Bildung, Gesundheit und die ländliche Entwicklung fördern und Trinkwasser sowie Sanitäranlagen für alle Menschen sicherstellen.

Empfindliche Ökosysteme, die Atmosphäre, Süß- und Salzwasser sollten geschützt und die Biotechnologie umweltfreundlich genutzt werden. Zehn Jahre danach konnten die Teilnehmer des Weltgipfels für Nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg nur ‚mäßigen Erfolg‘ feststellen.

Erdgipfel/Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung

Fand im Juni 1992 in Rio de Janeiro statt. 172 Regierungen und 2400 VertreterInnen von NGO kamen überein, dass die Menschheit mit den Ressourcen auf der Erde nachhaltiger umgehen muss, und hielt dies in Dokumenten wie der Agenda 21 und der Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung fest.

Nachhaltige Entwicklung

Soll Wirtschaftswachstum und Umweltschutz versöhnen. Die jetzige Generation erkannte, dass Wachstum und Entwicklung begrenzt sind, und will dafür sorgen, dass auch ihre Kinder und Kindeskinder mit den begrenzten Ressourcen ihre Bedürfnisse befriedigen können. Eine nachhaltige Entwicklung wurde 1992 auf dem Erdgipfel zum Leitprinzip von Staatengemeinschaft, Weltwirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik erklärt.

Nachhaltigkeit

Das Gegenteil von Verschwendung und kurzfristiger Ausbeutung von Ressourcen, um im Überschuss zu leben, während künftige Generationen selber schauen sollen, wo sie ihre Lebensgrundlagen herbekommen. Für eine nachhaltige Nutzung dürfen die Ressourcen nicht stärker ausgebeutet werden, als sie nachwachsen und sich erneuern können.

Nachhaltigkeitswissenschaft

Erforscht, wie Nachhaltigkeit funktioniert und eine nachhaltige Entwicklung lokal bis global umgesetzt werden kann. Dafür beobachtet sie, wie Menschen und Umwelt einander beeinflussen und planen, wie Wirtschaft, Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik zusammenarbeiten könnten, um Klima und Umwelt zu bewahren.

Ökologie

Oft mit Umweltschutz gleichgesetzt. Biologen verstehen darunter die Wissenschaft, welche die Beziehungen von Lebewesen untereinander und mit der unbelebten Umwelt erforscht.

Ökosystem

Lebensraum mit all seinen Bewohnern und den Wechselwirkungen, die sie miteinander unterhalten. Kann vom Kuhmagen über den Wiener Stadtpark und die Donauauen bis zum brasilianischen Regenwald so ziemlich alles sein.

Ressourcen

Materielle oder geistige Güter, aus denen man schöpfen kann und die man nicht restlos aufbrauchen sollte. Zum Beispiel Rohstoffe, Geld, Boden, Energie, Arbeitskräfte und -zeit, Bildung, Gesundheit, Prestige, Fähigkeiten, Kenntnisse, die Kapazität eines Rechners und Visionen. Sind die persönlichen Ressourcen verbraucht, leidet man an Burn-out. Sind die Umweltressourcen verjubelt, hat man hoffentlich Alternativen bereit.

Rio +20

Im Juni 2012 treffen einander Vertreter von Regierungen, der Privatwirtschaft und NGO 20 Jahre nach dem Erdgipfel, um den Fortschritt beim Verfolgen der damaligen Ziele zu begutachten und Probleme bei der Umsetzung zu diskutieren.

Schadstoffarme Schweine

Die Phosphat-Emissionen von Schweinen sind sehr hoch, denn sie können Phosphor aus pflanzlicher Nahrung schlecht verwerten. Das ausgestoßene Phosphat gelangt in Flüsse und Seen und bringt dort die Algen zum Wachsen und die Gewässer zum Kippen.

Außerdem müssen Bauern teuren mineralischen Phosphor ins Futter mischen. Forscher der kanadischen Universität Guelph haben Schweine mit Genen aus Darmbakterien und der Maus getunt, damit sie in den Speicheldrüsen ein Enzym produzieren, das beim Abbau hilft. Die Entwickler betonen die um 30 bis 65 Prozent verringerten Phosphat-Emissionen ihrer ‚Enviropigs‘ sowie die niedrigen Betriebskosten durch billigere Futtermittel. Sie haben die Zulassung als Lebensmittel beantragt, doch es ist nicht abzusehen, ob das Modell je serienreif wird. Umweltschützer kritisieren die gentechnisch hergestellten Tiere. Nicht die Schweine seien für die hohen Phosphat-Emissionen verantwortlich, sondern die Massentierhaltung.

Umweltwissenschafter

Untersuchen die Wirkung und mögliche unerwünschte Nebenwirkungen der Menschheit auf die Umwelt.

Umweltphysiker erforschen physikalische Vorgänge in unserer Umwelt, also der Atmosphäre, Tier- und Pflanzenwelt, in Meeren, Seen und Flüssen sowie in und auf Eis und Schnee.

Umweltpsychologen versuchen zu ergründen, wie die Menschen ihre Umwelt erleben und von ihr beeinflusst werden und warum die menschliche Psyche keinen großen Stress macht, wenn ihr Besitzer seine Lebensgrundlagen langsam, aber sicher zerstört.

Umweltchemiker untersuchen, wie chemische Stoffe auf Lebewesen und die unbelebte Umwelt wirken, wie sie sich verbreiten, abgebaut oder in andere Stoffe umgewandelt werden. Die Stoffe können aus natürlichen Quellen stammen, etwa von Vulkanen, Pflanzen oder Tieren, oder durch menschliche Aktivitäten freigesetzt werden, wie Abgase oder Düngemittel.

Umwelttoxikologen wollen herausfinden, wie gefährlich bestimmte Stoffe für Lebewesen sind.

Umweltbiotechnologen verwenden Lebewesen für umweltschonende Verfahren, und um zerstörte oder geschädigte Ökosysteme wiederherzustellen. Pflanzen und Bakterien reinigen Abwässer in Kläranlagen, und Enzyme aus Holzpilzen bleichen Papier und Baumwolle, damit man weniger Chemikalien benötigt. Nicht unumstritten sind gentechnisch veränderte Biotech-Pflanzen, etwa Pappeln, die den Boden von Schwermetallen wie Cadmium und Kupfer reinigen könnten.

Umweltmediziner sind in Österreich mit einem Diplom der Österreichischen Akademie der Ärzte ausgezeichnete MedizinerInnen, die sechs Wochenenden geopfert haben, um zu lernen, wie Elektrosmog, Radioaktivität, Autoabgase, Pestizide, Insektizide, Düngemittel, Schwermetalle und unsauberes Trinkwasser der Gesundheit schaden können.

Umweltsoziologen beobachten die Beziehung der Gesellschaft mit der Umwelt. Sie erforschen, wie Menschen mit Umweltrisiken umgehen, welche Werte es braucht, dass sie ein Umweltbewusstsein entwickeln, und warum das nicht immer zu umweltgerechtem Handeln führt.

Umweltgeologen inspizieren zum Beispiel, wie sich Deponien und Bergwerke auf Boden und Grundwasser auswirken und erkunden, wie Gemeinden mit Trinkwasser versorgt werden können.

Biodiversitätsforscher katalogisieren die Vielfalt der Arten, der Ökosysteme und ihrer Beziehungen, um uns vor Augen zu führen, was wir alles kaputtmachen können.

Klimaforscher beobachten etwa Sonnenstrahlung, Temperatur, Luftdruck, Winde, Niederschlag, Vegetation und den Boden, um etwas über den mittleren Zustand der Erdatmosphäre, also das Klima, herauszufinden, und ob die Menschheit das Klima auf der Erde signifikant stört.

Im Umweltrecht sollen die Erkenntnisse der Umweltwissenschafter so in Gesetze gemeißelt werden, dass Menschen und die Umwelt geschützt werden, indem etwa die Emission von schädlichen Stoffen begrenzt wird, Abfälle umweltgerecht beseitigt und gefährliche Stoffe mit der nötigen Vorsicht gehandhabt werden.

Umweltgeschichtsforscher erkunden, wie frühere Kulturen die Natur gesehen haben und mit ihr umgegangen sind, wie der Lebensstil der Menschen in verschiedenen Epochen die Umwelt verändert hat und wie sich diese Umweltveränderungen wieder auf die Menschen und ihre Kultur ausgewirkt haben.

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