Editorial

Christian Zillner | aus HEUREKA 2/12 vom 23.05.2012

"Da kommt ein Tsunami auf uns zu“, sagt John Hennessy, Präsident der Universität Stanford, dem New Yorker. Was meint er damit? "Wir stehen kurz vor der Möglichkeit, jedem einzelnen Kind auf der Welt eine State-of-the-art Stanford-Kaliber-Bildung zukommen zu lassen“, erklärt Marc Andreessen, der in Stanford lehrt. Letzten Herbst haben 160.000 Studierende in 190 Ländern Vorlesungen über Artificial Intelligence in Stanford online mitgemacht und mit einem Zertifikat (mit der Unterschrift des Lehrenden, nicht von Stanford) abgeschlossen - gratis. Während sich Wissenschaftspolitiker und Wissenschafter weltweit Gedanken über Reformen des Hochschulwesens machen und teilweise heftig darüber streiten, könnte Ähnliches kommen wie in der Musikindustrie - neue Formen der Vermittlung, die den herkömmlichen das Wasser abgraben. Bevor jetzt jemand schreit Das kann man nicht vergleichen!, sei hinzugefügt, dass der Lehrende des Stanford-AI-Kurses heute nicht mehr Professor an der Uni ist, sondern für ein Start-up-Unternehmen arbeitet, das Online-Kurse anbietet. Vielleicht ist dies die Zukunft der in prekären Verhältnissen arbeitenden jungen Wissenschafterinnen. Womöglich ist der Zuckerberg der künftigen akademischen Bildung schon beim Programmieren.

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