Jungforscherinnen

Uschi Sorz | aus HEUREKA 2/12 vom 23.05.2012

Mit einem DOC-team-Stipendium fördert die Österreichische Akademie der Wissenschaften diese vielversprechenden Dissertationen.

Benjamin Opratko, 28, Uni Wien

"Was hält eine Gesellschaft zusammen?“ Debatten um diese Frage haben Benjamin Opratko zur Politikwissenschaft gezogen. "Besonders interessiert mich die These, dass Rassismen, etwa in Krisenzeiten, zur Stabilisierung der Verhältnisse beitragen, indem sie der Mehrheitsgesellschaft erlauben, sich durch Abgrenzung aufzuwerten“, so der 28-Jährige. Er arbeitet seit Jänner an seiner Dissertation "Aktuelle Artikulationsformen des antimuslimischen Rassismus in Österreich“. Dabei konzentriert er sich auf den Alltag. "Äußerungen eines Strache oder Sarrazin können nur Wirkung entfalten, wenn sie auf einen breit geteilten, Alltagsverstand‘ treffen, der den Islam pauschal abwertet.“ Die Rolle des Rassismus für das Schaffen von Wir-Identitäten ist wichtiger Teil seiner Analyse.

David Egger, 25, TU Graz

"An der Physik fasziniert mich am meisten, dass man mit wenigen Grundannahmen weitreichende Schlüsse über die Welt ziehen kann“, sagt David Egger, Dissertant am Institut für Festkörperphysik der TU Graz. Für seine Masterarbeit zur quantenmechanischen Simulation von neuartigen Materialien hat er 2011 den steirischen Forschungspreis für Simulation und Modellierung erhalten. In seiner Dissertation entwickelt er sein Thema weiter. Dabei geht es darum, die elek-tronischen Eigenschaften von organischen Filmen und deren Wechselwirkung mit Metallen zu verstehen. Gerade weilt der junge Forscher in Israel, denn die Gruppe seines Professors Egbert Zojer hat hier eine Kooperation mit dem Weizmann-Institut in Rehovot. Das findet Egger "extrem cool, denn es ist eine der besten Forschungseinrichtungen weltweit“.

Gianna Zocco, 26, Uni Wien

Während ihrer Diplomarbeit in Vergleichenden Literaturwissenschaften entdeckte Gianna Zocco ihre Begeisterung für größere wissenschaftliche Projekte. "Ich mag die intensive theoretische Reflexion über Literatur und die komplexen, oft nicht eindeutig zu beantwortenden Fragen und Erfahrungen, die in literarischen Texten behandelt werden.“ Ihr Dissertationsthema "Das Motiv des Fensters als Öffnung ins Innere in Erzähltexten der Gegenwart“ fand sie, nachdem sie beim Lesen kurz hintereinander in verschiedenen Romanen darauf gestoßen war. "Durch die beschränkte Perspektive und die einrahmende Wirkung hat die Beobachtung durchs Fenster eine besondere Qualität“, so die Lehrbeauftragte für Vergleichende Literaturwissenschaften an der Uni Wien. "Oft wird sie mit Gefühlen der einblickenden Person verknüpft.“

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