Mikrobiologie

Neue Impfung für Hausstaubmilbenallergiker

Sabine Edith Braun | aus HEUREKA 2/12 vom 23.05.2012

Bis ein Impfstoff zur Heilung von Allergien gegen die Hausstaubmilbe zugelassen sein wird, dauert es noch bis 2021

Die gute Nachricht zuerst: Allergiker haben Grund zur Hoffnung. Bis ein Impfstoff zur Heilung von Allergien, in erster Linie gegen die Hausstaubmilbe, zugelassen sein wird, dauert es aber noch.

Seit den Achtzigerjahren beschäftigt sich Geert Mudde mit Allergien. Der gebürtige Holländer hat 2010 in Wien gemeinsam mit Christof Langer ein Start-up-Unternehmen gegründet, das mit staatlichem Geld arbeitet. Für die mikrobiologische Anfangsphase haben sie sich in der Boku Wien eingemietet: "Wir nutzen das wissenschaftliche Umfeld, die Geräte und das technische Wissen hier.“

Der Fokus auf die Hausstaubmilbe ist schnell erklärt: "Das ist die vorherrschende Allergie im Westen, bis zu 70 Prozent der Allergiker sind Hausstaubmilbenallergiker“, erklärt Mudde. Sein Impfstoff soll früher ansetzen als herkömmliche Allergiemedikamente: "Als ich angefangen habe, war die Forschung auf Mastzellen fokussiert: Es ging darum, die Freisetzung von Histamin durch Mastzellen zu verhindern. Bei Heuschnupfen hieße das: verhindern, dass Pollen IgE-Antikörper auf Mastzellen kreuzvernetzen und die Mastzellen aktivieren.“ So funktionieren Antihistaminika.

Mudde und sein Team wollen einen Schritt weiter gehen: "Warum entsteht eine Allergie überhaupt, und was kann man da schon am Anfang machen - nicht erst am Ende.“ Die Lösung klingt einfach: "Man muss verhindern, dass IgE-Antikörper entstehen. Es gibt verschiedene Arten von Zellen, die an der Immunantwort beteiligt sind. B-Zellen produzieren das IgE, weil die Th2-Zellen ihnen den Auftrag dazu geben. Wir greifen aber nicht die Th2-Zelle direkt an, sondern gehen einen Schritt tiefer und sagen dem Immunsystem, dass es Th1- statt Th2-Zellen generieren soll. So bleiben wir zwei Schritte vor der Entstehung von IgE.“

Das geschieht über die dendritischen Zellen. "Das sind die Dirigenten, da setzen wir an. Unsere Impfstoffe binden sich spezifisch an die dendritischen Zellen und geben ihnen den Auftrag, die richtigen Hormone auszubilden. Sie sagen also den T-Zellen, dass sie nicht zu Th2, sondern zu Th1 werden sollen.“

Für 2013 ist die präklinische Entwicklung des Impfstoffes geplant, 2015 sollen erste Anwendungen am Menschen durchgeführt werden. Vor 2021 wird das Medikament nicht am Markt sein. Milbenallergiker müssen sich bis dahin mit den herkömmlichen Medikamenten behelfen. Oder öfter die Bettwäsche wechseln.

Link: www.s-target.com

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