Medizin

Passt Stögers Schönheits-OP-Gesetz?

Dieter Hönig | aus HEUREKA 2/12 vom 23.05.2012

Fettabsaugung, Lidstraffung, Facelifting, Brust- und Nasenkorrekturen - am Schönheitsmarkt sind bislang nicht nur ästhetisch-plastische Chirurgen, sondern Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen, ja sogar Allgemeinmediziner aktiv. Denen will Gesundheitsminister Alois Stöger nun das Messer aus der Hand nehmen. Sein demnächst im Parlament vorgestelltes Gesetz zur Regulierung von Schönheits-OP löst freilich auch Zorn aus: "Mogelpackung“ meinen die einen, "begrüßenswerte Initiative“ die anderen.

Medizinische Tätigkeiten wie ästhetische Behandlungen und Operationen unterliegen dem Ärztegesetz. Es sieht vor, dass Fachärzte sich auf ihr Fachgebiet zu beschränken haben. "Schon derzeit dürfen etwa HNO-Ärzte nur im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich tätig werden“, sagt Thomas Holzgruber von der Ärztekammer. Doch bei Allgemeinmedizinern gibt noch keine Fachbeschränkungen. Das neue Gesetz will das ändern und ihnen ästhetische Behandlungen und Operationen untersagen - so sie nicht eine entsprechende Ausbildung in der jeweiligen Tätigkeit nachweisen können.

Das stößt bei der Association of Aesthetic Praktitioners AAP, einer Vereinigung von Allgemeinmedizinern, die kosmetisch-chirurgische Eingriffe durchführen, auf Unverständnis. Ihr Vorsitzender Karl-Georg Heinrich: "Die Ausbildung zum plastischen Chirurgen ist weder eine notwendige noch hinreichende Voraussetzung für die Qualifikation in der kosmetischen Chirurgie.“ Edvin Turkof, plastischer Chirurg am AKH Wien, sieht das anders: "Wir bekommen bei der Ausbildung eine Basisausbildung in ästhetischer Chirurgie, die dann verfeinert und ergänzt werden muss. Ohne diese Basis fehlt aber das notwendige Rüstzeug für eine hochwertige Weiterbildung.“ Auch ein plastischer Chirurg kann nach Abschluss seiner Ausbildung noch nicht ausreichend erfahren für alle wesentlichen ästhetischen Eingriffe sein, räumt Turkof ein.

Hat die Ausbildung zum ästhetisch-plastischen Chirurgen in öffentlichen Spitälern Platz? Heinrich: "Im Rahmen der Facharztausbildung lernen die in öffentlichen Spitälern ausgebildeten Fachärzte insbesondere klassische Heilbehandlungen. Wenn überhaupt, dann können medizinisch nicht indizierte Eingriffe wie ästhetische Behandlungen und Operationen nur in Grundzügen gelernt werden.“

Dem widerspricht Turkof und weist auf die ureigenste Aufgabe der plastischen Chirurgie hin: "Wenn unfallbedingte Verstümmelungen korrigiert werden sollen, ist die ästhetisch-plastische Chirurgie die einzige Disziplin, die dies durchzuführen hat und auch kann. Daher ist in öffentlichen Spitälern Platz für diese Ausbildung.“

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