Ein Schutz für die Patientinnen — Gesundheitsminister Alois Stöger über den geplanten Gesetzesentwurf

aus HEUREKA 2/12 vom 23.05.2012

Heureka: Herr Minister, Allgemeinmediziner sehen in Ihrem Gesetzesentwurf eine Bevorzugung von Fachärzten für Plastische Chirurgie. Zu Recht?

Alois Stöger: Für mich ist eine Frage entscheidend: Welche Ausbildung braucht ein Arzt, um ästhetische Eingriffe durchführen zu dürfen? Die Fachärzte für Plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie haben diese Ausbildung, bei allen anderen wird man - entsprechend dem jeweiligen Fachgebiet - differenzierte Regelungen treffen müssen. Allgemeinmediziner sollen, wenn es nach mir geht, derartige Eingriffe nur durchführen dürfen, wenn sie gleichwertige Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten wie die jeweiligen Fachärzte nachweisen können.

Wird es bei Verstößen gegen das neue Schönheits-OP-Gesetz Sanktionen geben, die über ein Bußgeld hinausgehen?

Stöger: Die derzeit im Entwurf vorgesehenen Strafen sind ausreichend. Zusätzlich dazu gibt es disziplinarrechtliche Regelungen: So sieht das Ärztegesetz bei gravierenden Verstößen zum Beispiel den Entzug der Berufsberechtigung vor.

Man kritisiert am zwingend vorgeschriebenen Behandlungspass, er gefährde die Privatsphäre von Patienten …

Stöger: Der im Entwurf vorgeschlagene Behandlungspass soll dazu dienen, die Qualitätskontrolle zu gewährleisten und nach- bzw. weiterbehandelnde Ärzte über bereits vorgenommene Eingriffe, vor allem im Sinne eines verstärkten PatientInnenschutzes zu informieren. Die verpflichtende Dokumentation von Aufklärungs- und Beratungsgesprächen sowie durchgeführten Eingriffen im Behandlungspass soll keine Gefahr, sondern einen Schutz für die Patientinnen und Patienten darstellen.

Die vierwöchige Wartefrist zwischen Erstgespräch und Behandlung empfinden manche als Schikane …

Stöger: Wenn man einen medizinisch nicht notwendigen Eingriff vornehmen lässt, muss das gut überlegt sein. Immerhin sind auch Schönheitsoperationen mit großen Risiken verbunden. Bei nicht operativen ästhetischen Eingriffen gilt die vierwöchige Wartefrist ohnehin nicht. Die im Begutachtungsentwurf vorgesehene Wartefrist soll beispielsweise auch dazu dienen, eine andere ärztliche Meinung zur geplanten Operation einzuholen und keine überstürzten Entscheidungen zu treffen.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige