Kooperation statt promovierende Einzelkämpfer

Werner Sturmberger | aus HEUREKA 2/12 vom 23.05.2012

Die Akademie der Wissenschaften fördert DOC-teams in den Geistes- und Kulturwissenschaften

Ich habe zwei DOC-teams betreut und was ich jeweils gut fand, war die Zusammenarbeit; das Promovieren war nicht nur Einzelkämpferdasein”, erklärt Birgit Sauer, Professorin am Institut für Politikwissenschaft der Uni Wien.

DOC-teams sind Teil der von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vergebenen Promotions-Stipendien. Pro Jahr gibt es 30.000 Euro für eine maximale Dauer von drei Jahren pro Doktorand - aber das Geld geht an Teams. Ein DOC-team besteht aus drei oder vier Personen, die nicht älter als 30 Jahre sein sollten, oder deren Studienabschluss nicht mehr als vier Jahre zurückliegt.

Das Ziel dieser DOC-teams ist die problemlösungsorientierte Entwicklung von disziplinübergreifenden Konzepten. Sie sollen stärker an Themen als an wissenschaftlichen Fächern ausgerichtet sein. Dabei müssen mindestens zwei Mitglieder des Teams aus unterschiedlichen Disziplinen der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften stammen.

DOC-teams stellen damit eine der wenigen Förderungsmaßnahmen in diesen Wissensbereichen dar. Die Beteiligung von Naturwissenschaftern wird explizit begrüßt. Seit 2004 wurden 22 Teams bewilligt, zwölf Projekte sind mittlerweile abgeschlossen. Knapp 60 Prozent der Stipendiaten haben im Rahmen des Projekts promoviert. Seit 2008 können aus budgetären Gründen nur mehr maximal zehn Stipendien vergeben werden, was bis zu drei DOC-teams entspricht.

"Grundsätzlich wird den Antragstellern schnell klar, wie aufwendig die Vorbereitung eines Antrags für ein DOC-team ist“, sagt Barbara Haberl, die die Stipendien der ÖAW betreut. "Schließlich müssen bis zu vier Betreuer dazu gebracht werden, das Projekt zu unterstützen.“ Da in Österreich das Angebot an Promotions-Stipendien vor allem für Geistes- und Sozialwissenschaften sehr klein ist, sind viele bereit, sich dem Bewerbungsprozess zu stellen. "Vom Konzept her ermöglichen die DOC-team-Stipendien die schönste Art wissenschaftlicher Arbeit, die ich mir vorstellen kann“, sagt Anke Schaffartzik, die gemeinsam mit Alina Brad und Christina Plank soziale und ökologische Konflikte im Kontext internationaler Biotreibstoffproduktion erforscht.

Auch Markus Wissen vom Institut für Politikwissenschaft der Uni Wien, einer der vier Betreuer dieses DOC-teams, zeigt sich von der problemzentrierten Ausrichtung der Teams angetan: "Die DOC-teams schaffen einen Kristallisationspunkt für die Zusammenarbeit über Disziplingrenzen hinweg - auch für die Betreuer.“

Auch Birgit Sauer hat diese Kooperation als bereichernd erlebt, schränkt jedoch ein: "Drei Jahre sind einfach zu kurz.“

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