(Wissenschafts)netzwerke: Das Glossar

Jochen Stadler | aus HEUREKA 2/12 vom 23.05.2012

Die eigenen Beziehungen verdienen den Begriff Netzwerk, während Kollegen ihre Karrieren durch Seilschaften vorantreiben

All-channel Netzwerk

Jeder-kennt-jeden-Netzwerk. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können Wissen und Gegenstände beliebig über einen der unzähligen Wege im Netzwerk schicken und ohne Umwege miteinander kommunizieren. Oder über alle möglichen Umwege. Das eine funktioniert gut für dringende Informationen, das andere für Gerüchte.

Beziehung

Freundschaft, gemeinsame Projekte, gemeinsame Interessen, Liebe, Geschäfte und Ähnliches, das zwei oder mehrere Personen miteinander verbindet.

Beziehungsstärke

Hängt davon ab, wie sehr die Beteiligten einander vertrauen, welche positiven oder negativen Gefühle in der Beziehung mitschwingen, wie viel Zeit und Energie sie dafür investieren und was sie bislang ausgetauscht haben. Je stärker die Beziehung ist, umso reger werden Informationen, Wissen und Ressourcen durch diesen Kanal fließen, und zwar in beide Richtungen.

Dichte des Netzwerks

Je mehr Beziehungen die Beteiligten vorweisen können, umso dichter und engmaschiger ist das Netzwerk.

Dreiecksbeziehung

Einfaches Netzwerk aus drei Knoten und ebenso vielen Kanten, das die Beziehung dreier Menschen darstellt. Wird als spannungsgeladen und instabil beschrieben und hat nicht selten ein absehbares Ablaufdatum. Nicht zu verwechseln mit der V-förmigen Triade, bei der eine Person Beziehungen zu zwei anderen hat, die voneinander nichts wissen.

Forschungsförderung

Geldmittel, um die Forscher buhlen. Werden durch Staaten, Staatengemeinschaften wie der EU und private Quellen bereitgestellt und entweder direkt oder über Fonds-Organisationen vergeben. Die Forscher reichen in der Regel einen Antrag über das geplante Forschungsprojekt ein, der von möglichst unabhängigen Fachleuten begutachtet wird. Je nachdem, wie viel Geld die Fördergeber zur Verfügung haben und was die Gutachter geschrieben haben, entscheiden sie, ob ein bestimmtes Projekt gefördert wird oder nicht.

Gemeinschaft

Eine Gruppe von Personen, die etwa ein gemeinsames Interesse, Ziel, Bedürfnis oder Merkmal verbindet und von anderen abgrenzt. Führt dazu, dass sie Beziehungen knüpfen, unterhalten und pflegen und ein "Wir-Gefühl“ entwickeln.

Forschergemeinschaft

Wissenschafter-Netzwerk. Besteht aus vielen kleineren Gemeinschaften der einzelnen Wissenschaftszweige, verbunden durch interdisziplinäre Zusammenarbeit. Zugang zu den Zirkeln bekommt man nach einem einschlägigen Studium durch die Mitarbeit in einer Forschungsgruppe. Der Status in der Gemeinschaft hängt von den wissenschaftlichen Veröffentlichungen ab, die man vorweisen kann, und der Institution, bei der man arbeitet.

Forschungsnetzwerk

Forscher netzwerken mit Kollegen aus derselben Fachrichtung, um ihre Erkenntnisse auszutauschen, Trends nicht aus den Augen zu verlieren und sicherzustellen, dass sie den anderen um eine Nasenlänge voraus sind. Schielen sie nach den großen Fördergeldern, müssen sie auch Kontakte mit anderen Wissenschaftsgebieten knüpfen und sich interdisziplinäre Projekte aus den Fingern saugen.

Interdisziplinär

Wissenschafter aus verschiedenen Fachgebieten arbeiten zusammen und kombinieren ihre Methoden und Denkweisen. Tauschen sie bloß Ergebnisse aus und veröffentlichen sie diese gemeinsam, ist das immerhin multidisziplinär.

Ein länger andauerndes Bündnis kann eine neue Fachrichtung hervorbringen, das passierte etwa bei der Biochemie.

Karrierenetzwerk

Flechtwerk von sozialen Kontakten, die Vorteile im Berufsleben versprechen. Die eigenen, mit großer Sorgfalt gepflegten Beziehungen verdienen den Begriff "Netzwerk“, während die Kollegen ihre Karrieren bloß durch Seilschaften, Freunderlwirtschaft (Nepotismus), Vitamin B und Protektion vorantreiben.

Kettennetzwerk

Alle Knoten des Netzwerks sind wie bei einer Perlenkette hintereinander aufgereiht. Informationen, Waren, Bits und Bytes und was auch immer im Netzwerk die Runde machen will, muss denselben Weg gehen, denn es gibt keine Abzweigungen, Umwege oder Abschneider.

Kleine-Welt-Phänomen

Der amerikanische Soziologe Stanley Milgram untersuchte 1967, wie eng die Menschen miteinander vernetzt sind. Aus seinen Experimenten schloss er, dass in den USA jede Person mit einer beliebigen anderen über sechs Personen verbunden ist. Auch wenn diese Zahl nicht in Stein gemeißelt ist, konnten andere Forscher seine These der Kleinen Welt bestätigen, etwa die Microsoft-Wissenschafter Jure Leskovec und Eric Horwitz 2008 anhand des Netzwerks von 180 Millionen Instant-Messenger-Nutzern.

Nepotismus

Vom lateinischen Wort nepos für Nachkomme, Neffe oder Enkel stammend, besser bekannt als Vettern- oder Freunderlwirtschaft und Schiebung. Evolutionsforscher betrachten die Bevorzugung genetisch verwandter Individuen nüchtern als Beitrag zur Verbreitung des eigenen Erbguts.

Netzwerk

Geflecht aus Knoten, die durch sogenannte Kanten miteinander verbunden sind. Die Knoten können etwa Menschen, Städte und Dörfer, Fa-briken, Lagerhallen, Straßenlaternen und Computer sein, die Kanten Liebes-, Freundschafts- und Geschäftsbeziehungen, Straßen und Schienenwege, Strom- oder Internetkabel.

Netzwerke sind oft sehr flexibel, Knoten und Kanten können neu entstehen und wieder verschwinden, Beziehungen können stärker oder schwächer werden und ihre Art ändern.

Netzwerker

Menschen, die viel Zeit und Mühe aufwenden, um ein Beziehungsnetz aufzubauen und zu erweitern. Dem Vernehmen nach werden diese Beziehungen anschließend oft gewinnbringend eingesetzt, um persönliche Vorteile zu erlangen und die Karrierechancen nicht allzu sehr von der eigenen Leistung abhängig zu machen.

Netzwerkforscher

Untersuchen die Beziehungen zwischen Teilnehmern in sozialen, biologischen oder Computer-Netzwerken.

Netzwerkmanagement

Entscheidet, wer ins Netzwerk aufgenommen wird und wessen Verbindungen wieder gekappt werden. Verteilt Ressourcen, Zuständigkeiten und Aufgaben. Vertraut den Beteiligten oder kontrolliert sie, lässt ihnen mehr oder weniger Freiheit und fördert entweder Zusammenarbeit oder Wettbewerb.

Neuronales Netzwerk

Durch intensives Zusammenspiel zwischen Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn entsteht ein gemeinsames Produkt - ein Gedanke.

Soziales Netzwerk/Internet

Über das Internet abrufbare Software, mit der sich Benutzer präsentieren und miteinander kommunizieren können. Fordert sie auf, ein eigenes Profil zu erstellen und möglichst viele berufliche sowie private Details mit der Netzgemeinschaft zu teilen. Man kann damit alte Freunde virtuell wiederfinden und neue Gesinnungsgenossen treffen. Durch Statusmeldungen kann man mikrobloggen und Online-Freunden seine aktuellen Befindlichkeiten mitteilen.

Soziales Netzwerk/Soziologie

Netzwerk menschlicher Beziehungen. Beschreibt die Verknüpfungen der einzelnen Beteiligten, deren Ziele und Motive sehr unterschiedlich sein können. Eine gut vernetzte Person hat ein Geflecht aus Beziehungen zu anderen Personen, die in den unterschiedlichsten Situationen und bei den unterschiedlichsten Bedürfnissen helfen können und wollen.

Sternnetzwerk

Hier macht sich ein Knoten in der Mitte wichtig, über den alle Informationen und Gegenstände laufen müssen. Alle anderen scharen sich um den zentralen Knoten.

Wissenstransfer

Hängt im Netzwerk unter anderem von der Beziehungsstärke ab. Je stärker die Beziehung, umso eher investieren die Beteiligten Arbeit und Zeit, um komplizierte Dinge zu erklären und Zusammenhänge zu veranschaulichen. Über starke Beziehungen fließen auch umfangreiche und vertrauliche Informationen. Lockere Beziehungen bringen hingegen öfter Neuigkeiten. Sie erreichen mehr Teilnehmer, und die transportierten Infos sind meistens offener und kreativer.

Martin Brandstetter

Photonik Institut, TU Wien

Sein Forschungsgebiet sind Halbleiterlaser, im Speziellen sogenannte Quanten-Kaskaden-Laser. An solchen arbeitet er in der Gruppe von Prof. Unterrainer am Photonik Institut der TU Wien. Für diese Laser sind etwa Anwendungen im Bereich der Materialprüfung, Sicherheitstechnik, Datenkommunikation sowie in der Medizintechnik denkbar.

"Mir ist es wichtig, meine Arbeit auch mit Kollegen anderer Forschungsgebiete zu besprechen. Solche Diskussionen ermöglichen mir neue Sichtweisen und Lösungsansätze. Dies wird mir mit dem Spezialforschungsbereich (SFB) Infra-Red and Optical Nanostructures (IRON) geboten.”

Foto: Arnold Pöschl

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