Jungforscherinnen

Uschi Sorz | aus HEUREKA 3/12 vom 20.06.2012

Als Teil eines interdisziplinären DOC-team-Projekts befassen sich diese Dissertationen mit europäischen Weltuntergangsvorstellungen von der Spätantike bis zur Gegenwart.

Martin Zolles, 33, Uni Weimar

Nach dem Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Wien arbeitet Martin Zolles nun in Weimar an seiner Dissertation "apokalypsis ex media. Horizonte einer Medialitätsgeschichte von Offenbarung und Untergang“. "Seit mehr als 2000 Jahren ist man im abendländischen Kulturraum fasziniert von der Idee des Verfalls und des Untergangs in Form einer apokalyptischen Kunde vom Ende der Welt“, so der Medienwissenschafter. "Aber auch heute, auf dem Plateau der verwissenschaftlichen Moderne, sehen wir uns permanent in zweifelhafte apokalyptische Rhetoriken und Dramaturgien verwickelt.“ Seine Arbeit fokussiert auf die konstitutive Rolle medialer Interventionen im Prozess neuzeitlicher Weltwahrnehmung und beschreibt apokalyptisches Bewusstsein im Spannungsfeld von Medialität, Materialität und Mentalität.

Veronika Wieser, 34, Uni Wien

Auf frühmittelalterliche Zeitvorstellungen, soziale Grenzphänomene sowie die Konstruktion von Feindbildern samt ihrer endzeitlichen Deutung während der Völkerwanderung konzentriert sich die Forschung von Veronika Wieser. In ihrer Dissertation "Die Ordnung der Zeit - apokalyptische Vorstellungen und ihr Wandel im frühen Mittelalter“ untersucht die Historikerin die Wechselwirkung tiefgreifender politischer und gesellschaftlicher Ereignisse und Prozesse mit apokalyptischen Erwartungen. Die Zeithorizonte eines möglichen Weltuntergangs wurden im Lauf der Geschichte oft verschoben und umgedeutet. "Vor allem in Krisenzeiten wurden sie quasi aktualisiert“, erklärt Wieser. Neben den historischen Zusammenhängen interessiert sie, "wie man endzeitliche Vorstellungen auch als Strategien der Gegenwartsbewältigung verstehen kann“.

Christian Zolles, 31, Uni Wien

Den Literatur- und Kulturwissenschafter Christian Zolles beschäftigt das Verhältnis von Wissenschaft zu Dichtung und gesellschaftlichen Dynamiken. "Dabei interessiert mich, wie Fachwissen in die Literatur kommt und wie neue Erkenntnisse in alltägliche Praktiken übergehen“, so der Projektmitarbeiter am Institut für Germanistik. In seiner Dissertation "Astrologie und Apokalypse. Die Moderne im Zeichen symbolischer Offenbarungen“ vertieft er das Thema. "Warum ist Astrologie, die nach dem Siegeszug der Naturwissenschaften längst überholt zu sein schien, wieder populär? Steckt hier nur Spielerei mit medialen Endzeitszenarien oder eine tiefergehende Lust am Untergang dahinter?“

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