Ökologie

So, wie der Klimaschutz betrieben wird, zerstört er mehr Natur

Werner Sturmberger | aus HEUREKA 3/12 vom 20.06.2012

Überlegungen zur "green economy“ oder zum "green new deal“ erfahren vermehrt Aufmerksamkeit. Der damit angestrebte ökologische Umbau der Wirtschaft wird dabei nicht nur von Befürwortern erneuerbarer Energien vorangetrieben. Auch bereits etablierte Energieversorger und Technologieentwickler wollen bei diesem Umbau dabei sein.

"Green energy“ meint dabei oft nicht mehr als nicht fossile Energieträger. In Broschüren der Europäischen Kommission wird so auch Atomenergie als nachhaltig gehandelt.

Es ist also noch keineswegs sicher, welche Akteure als "green“ anerkannt sind und Teil dieser Bestrebungen werden können bzw. wie sehr diese die globale Wirtschaft tatsächlich verändern können.

Weniger vage sind dagegen die ersten erkennbaren Auswirkungen dieses Wandels. Ulrich Eichelmann von der NGO Riverwatch hält dazu fest: "So wie der Klimaschutz betrieben wird, zerstört er mehr Natur und vernichtet mehr Arten als der Klimawandel.“

Der Bau riesiger Staudämme vernichtet Lebensräume, und die Biospritproduktion führt zur Rodung der Regenwälder. Beide tragen genau wie der Emissionshandel dazu bei, dass vorherrschende Konsummodelle beibehalten und sogar ausgebaut werden können. Weder Umwelt noch Klima werden so geschützt. Ein grundlegender Wandel im wirtschaftlichen Handeln und damit im Umgang mit der Natur bleibt aus, auch wenn neue Technologien und Absatzmärkte entstehen.

"Man darf sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass es sich um eine kapitalistische Restrukturierung handelt. Es ist ein Neoliberalismus mit grünem Anstrich. Besonders problematisch ist, dass dieses Label "green“ auch die eigentlich Wohlmeinenden mitnimmt“, erklärt Ulrich Brand, Politikwissenschafter an der Universität Wien.

Was es wirklich brauchen würde, so Brand weiter, wäre eine demokratische Gestaltung des Umgangs mit Natur. Der Einsatz von Ressourcen solle durch gleichberechtigte Entscheidungen bestimmt und nicht durch die Märkte oder Bürokratien diktiert werden.

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