Neurobiologie

Wie findet die blutsaugende Raubwanze ihren Wirt?

Uschi Sorz | aus HEUREKA 3/12 vom 20.06.2012

In einem dreijährigen FWF-Projekt wird die Infrarot- und Temperaturwahrnehmung der Raubwanzen erforscht

An der in Lateinamerika weit verbreiteten Chagas-Krankheit leiden weltweit über 18 Millionen Menschen, rund 15.000 sterben jährlich daran. Übertragen wird sie von Raubwanzen der Gattung "Rhodnius“. Rund 20 - allerdings erregerfreie - Exemplare davon befinden sich am Wiener Department für Neurobiologie, wo das Team um Harald Tichy ermittelt, aufgrund welcher Sinnesreize sie ihren Wirt finden.

Getestet wird sowohl die Reaktion auf Infrarotstrahlung als auch auf Temperaturreize. "Mit dem Rasterelektronenmikroskop untersuchen wir zuerst die Lage und Verteilung der Sinnesorgane auf den Fühlern, die als Rezeptoren für Infrarot- oder Temperaturreize infrage kommen“, erklärt Tichy, stellvertretender Leiter des Departments. "Danach erkunden wir in elektrophysiologischen Experimenten den adäquaten Reiz dieser Sinnesorgane.“

Noch weiß man nicht, ob Wanzen Infrarotrezeptoren besitzen, während Thermorezeptoren bei anderen Insekten bereits bekannt sind. Die beiden Rezeptortypen ermöglichen unterschiedliche Strategien: Infrarotsensoren können die entsprechende Quelle über große Entfernungen wahrnehmen, Thermorezeptoren nicht. Ob sich auf den Antennen der Wanzen Infrarot- oder Thermorezeptoren befinden, ist nicht nur für die Grundlagenforschung interessant. "Neue Ergebnisse tragen dazu bei, geeignete Fallen zu entwickeln und somit die Wanzenpopulation bzw. die Infektionsrate zu verringern“, so Tichy.

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