Tourismus

Im Sarg nach Hause: Wintersport in Österreich ist weltweit der lebensgefährlichste

Anja Stegmaier | aus HEUREKA 3/12 vom 20.06.2012

Tourismus spielt in der österreichischen Volkswirtschaft eine bedeutende Rolle. Die Alpenrepublik steht an der Spitze touristischer Auslandseinnahmen pro Kopf - und das sogar weltweit. Aber ist Österreich auch ein sicheres Urlaubsland?

Laut der Österreichischen Wirtschaftkammer nennen Touristen, die nach Österreich kommen "Spaß und Vergnügen“ als Hauptmotiv für ihre Reise. An zweiter Stelle folgt "in der Natur sein“ gleichauf mit "aktiv/sportlich sein“.

Allerdings ist es für die Gäste längst nicht mehr Action genug, im Urlaub traditionell auf der Piste Ski zu fahren. Viele Bergbegeisterte suchen aufregendere Abenteuer: Helikopter-Skiing, Freeriden und Ski-Touren bieten den Extra-Kick in der Natur.

Sie alle haben jedoch gemein, dass sich die Urlauber jenseits von Pisten in unberührtem Schnee bewegen. Das ist sehr gefährlich. Durchschnittlich gibt es in Österreich rund hundert Lawinenunfälle jährlich, bei denen um die dreißig Personen ums Leben kommen. Die meisten sind ausländische Touristen.

Neben dem Ersticken durch die Verschüttung bei Lawinenabgang sind es beim Freeride auch häufig tödliche Unfälle infolge immer schnelleren Fahrens durch Wälder und steile, felsdurchsetzte Hänge. Jedes Jahr gibt es bis zu 60.000 Hospitalisierungen.

Trotz dieser erschreckenden Zahlen werden weiter Pauschalurlaube angeboten, die eine Skitour im Tiefschnee fix im Programm haben. Ob die Beteiligten jedoch vorher in Lawinenkunde sattelfest sind, ist unklar. Allein der effektive Einsatz der Lawinenschaufel verlangt einiges an Übung. Werbung suggeriert Sicherheit und Hochgefühl im Pulverschnee. Fakt ist jedoch, dass selbst bei günstigen Verhältnissen die Lawinengefahr immer mitfährt.

Event-Veranstalter kombinieren Sport mit Party und Alkohol und tragen so zum Risikoverhalten bei. In Kombination mit verbesserter Ausrüstung wird vielen die Selbstüberschätzung zum Verhängnis. Am Ende der Saison muss bilanziert werden, dass es weltweit kein Urlaubsziel gibt, das so viele Touristen im Sarg nach Hause schickt wie Österreich.

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