Akustik

Ein Tunnel mit Geräuscherkennung aus Österreich kann Leben in der Fremde retten

Martina Weinbacher | aus HEUREKA 3/12 vom 20.06.2012

Jeder zweite Tunnel, der weltweit gebaut wird, birgt österreichische Technologie in sich. Ein international einzigartiges System zur Audioüberwachung von Tunneln namens AKUT richtet die Aufmerksamkeit der großen Tunnelländer erneut auf die Alpenrepublik.

"Der Vorteil besteht darin, dass das AKUT-System unübliche Tunnelgeräusche schon nach ca. 0,7 Sekunden erkennt und meldet. Der Tunnelwart kann den Tunnel bei Bedarf sofort sperren. Die Anzahl der nachfolgenden Fahrzeuge und Personen wird minimiert“, erklärt der Erfinder Franz Graf von der Forschungsgesellschaft Joanneum Research in Graz.

Die Erfahrungen des bisherigen Einsatzes im Tunnel Kirchdorf in der Steiermark haben gezeigt, dass AKUT Zwischenfälle bis zu zwei Minuten früher als andere Überwachungssysteme, etwa Kameras, erkennt. "Im Ernstfall ist das eine Zeitspanne, die lebensrettend sein kann“, sagt Alois Schedl, Vorstand der ASFINAG, die das Projekt gemeinsam mit der Forschungsgesellschaft Joanneum Research umsetzt.

Die Besonderheit des mittlerweile technisch ausgereiften Audiosystems liegt in der Wiedererkennung zahlreicher Geräusche aus dem Verkehr.

Seit 2003 sammelte das Team um Graf mit speziell dafür entwickelten Mikrofonen Geräusche in einer Datenbank. Eine lernende Analyse-Software erkennt die Geräusche und reagiert mit Alarm, sobald etwa eine Vollbremsung oder ein Reifenplatzer zu hören ist. AKUT soll hierzulande bei allen neuen und zu renovierenden Tunnel zum Einsatz kommen. Auch an einer Ausdehnung des Einsatzbereichs arbeitet man. So soll akustisches Monitoring etwa beim Ambient Assisted Living (Altern in gewohnter Umgebung) und in Anwendungen bei Smart-Cities zum Einsatz kommen.

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