Wissenschaft für Kinder: Das Glossar

Jochen Stadler | aus HEUREKA 3/12 vom 20.06.2012

Wissenschaft für Erdenbürger zwischen Schulzeit und Ausbildung, Pubertät und anderen Unannehmlichkeiten

Argument

Soll andere Menschen davon überzeugen, dass die eigene Hypothese wahr und daher nachvollziehbar und glaubhaft ist. Wird oft aus den Ergebnissen eines Experiments abgeleitet.

Beobachtung

"Als Newton im Obstgarten saß und die Äpfel beim Fallen beobachtete, kam ihm die Idee zu den Gravitationsgesetzen.“ Dass ein Apfel senkrecht zum Boden fällt, ist eine wissenschaftliche Beobachtung. Der Rest eine nette Geschichte, die vermutlich zu schön ist, um wahr zu sein.

Beweis

Mehr oder minder endgültige Bestätigung einer Hypothese. Zunächst hielt man die Erde für eine flache Scheibe. Griechische Philosophen und Mathematiker stellten die Hypothese auf, dass sie rund sei. Aristoteles sammelte Argumente dafür, etwa dass bei einem wegfahrenden Schiff zunächst der Rumpf hinter dem Horizont verschwindet, dann erst das Segel. Bei der ersten Weltumseglung verschwand der Spanier Juan Sebastián Elcano als Steuermann auf der einen Seite hinter dem Horizont und tauchte auf der anderen als Expeditionsführer wieder auf - sein Chef Magellan war auf den Philippinen verstorben. So wurde die Erde umsegelt und bewiesen, dass sie rund ist.

Diskussion

(i) Schriftlicher oder mündlicher Meinungsaustausch, wenn Wissenschafter unterschiedliche Hypothesen für richtig halten. Ist in der Regel erst dann beendet, wenn Experimente alle Möglichkeiten bis auf eine ausschließen oder eine Theorie eindeutig bewiesen wurde. (ii) Teil einer wissenschaftlichen Arbeit, in dem die Ergebnisse im Zusammenhang mit bisherigen Arbeiten besprochen und mögliche Aussagen erörtert werden.

Entdeckung

Kann zufällig passieren, wenn mitten auf dem Seeweg ein unbekannter Kontinent den Weg versperrt, oder erwünscht, wenn man dafür jahrelang die Planetenbahnen studiert. Doch egal, ob es sich um Amerika oder die Gesetze des Sonnensystems handelt, Kolumbus und Kopernikus mussten etwas Neues, bislang Unbekanntes finden, um Entdecker genannt zu werden.

Experiment

Galileo Galilei warf angeblich Kanonen- und Schrotkugeln vom schiefen Turm zu Pisa, um den freien Fall zu studieren. Wäre auch dies nicht nur eine Anekdote, wäre es ein Experiment gewesen. Tatsächlich erforschte er die Fallgesetze, indem er Kugeln eine schiefe Rinne hinunter rollen ließ. Das war leichter zu beobachten und für Passanten weniger gefährlich.

Fachbereichsarbeit

Bald von der vorwissenschaftlichen Arbeit überholte Forschungsarbeit, ersetzt derzeit als Joker eine schriftliche Prüfung bei der Matura.

Forschendes Lernen

Die Schüler bekommen den Lernstoff nicht auf dem silbernen Tablett präsentiert, sondern müssen die Antwort auf bestimmte Fragen selber suchen. Dazu können sie zum Beispiel Versuche machen, in der Bibliothek und im Internet stöbern sowie Experten fragen. Sie lernen selbstständig zu arbeiteten, kritisch zu denken und nebenher den Stoff, der beim bloßen Auswendiglernen bekanntermaßen rasch wieder aus dem Kurzzeitgedächtnis entwischt.

Forschung

Im Gegensatz zum zufälligen Entdecken absichtliche und beharrlich durchgeführte Suche nach neuen Erkenntnissen.

Forschungsfrage

Sie zu beantworten ist der Grund, warum Wissenschafter beobachten und Experimente durchführen. Ohne sie bekommt man keine Antworten und findet nichts Neues heraus. Ausgenommen sind Zufallsentdeckungen.

Forschungsprojekt

Vorhaben, zu dem sich ein oder mehrere Wissenschafter entschließen, um eine Forschungsfrage zu beantworten. Dazu müssen sie einen Plan erstellen, das notwendige Geld auftreiben, dann können sie Beobachtungen und Experimente durchführen und am Schluss die Öffentlichkeit und/oder Geldgeber über die neuen Erkenntnisse oder ihr Scheitern informieren.

Frontalunterricht

Einer-gegen-alle im Klassenzimmer. Von den meisten als notwendiges Übel gesehene, weltweit vorherrschende Wissensvermittlung in Schulen und Universitäten. Wird fallweise von modernen pädagogischen Methoden wie selbstbestimmtem und forschendem Lernen unterwandert.

Hands-on Experimente

Einfache Versuche, die Schüler und interessierte Personen unter der Anleitung von Lehrern und Wissenschaftern selber durchführen können. In der Regel interessanter, einprägsamer und lehrreicher, als das bloße Zuschauen.

Hypothese

Eine Idee oder wissenschaftliche Behauptung, die es zu beweisen gilt. Wird mit den ersten Indizien oft zur Theorie.

Kinder/Jugendliche

Erdenbürger zwischen Geburt und Erwachsensein, in einer Entwicklung geprägt von Schulzeit und Ausbildung, Pubertät und anderen Unannehmlichkeiten. In Kärnten, Tirol und der Steiermark ist man nach dem Jugendschutzgesetz bis 14 Kind, danach bis 18 Jugendlicher. Für Salzburger ist mit dem Kindlichsein schon mit 12 Schluss. In Oberösterreich kennt das Gesetz keine Kinder. Wien, Niederösterreich und das Burgenland bewohnen weder noch, dafür eine Menge unter 18-jähriger ‚junger Menschen‘. Danach ist man erwachsen, nicht alt!

Methodenkompetenz

"Der Weg ist das Ziel“ als Leitspruch im Unterricht. Nicht der Lernstoff und das Füttern mit Informationen stehen im Vordergrund, sondern, dass die Schüler gefälligst lernen, wie sie wichtige Informationen selber finden und von der Fülle unwichtiger Dingen herauspicken, Zusammenhänge erkennen und sie sich zu einem Thema eine eigene Meinung bilden können.

Mentor

Meist zumindest leicht angegrauter Mensch, der sich gern als Unterstützer und Berater eines jungen Menschen sieht.

Recherche

Gezieltes Beschaffen von Informationen, die ansonsten verborgen geblieben wären. Bevor man sich kopflos in Experimente stürzt, macht es meistens Sinn herauszufinden, was andere schon zu dem Thema herausgefunden haben und woran sie gescheitert sind.

Statistik

Zum Leidwesen vieler Wissenschafter, die Mathematik lieber anderen überlassen, aus den meisten Forschungsgebieten nicht mehr wegzudenken. Ist deswegen so wichtig, weil sie oft Mutmaßungen von wissenschaftlichen Ergebnissen trennt und zeigt, ob ein Ergebnis aussagekräftig oder nichtssagend ist.

Theorie

Ein Modell, das sich Wissenschafter von der Wirklichkeit machen. Sollte beweis- oder widerlegbar sein, irgend- wie anwendbar und nicht unnötig kompliziert.

Tutor

Meist selbst noch in der Ausbildung befindlicher junger Mensch, der sich um noch jüngere zu Bildende und Studierende kümmert, sie unterstützt und fallweise unterrichtet.

Versuchsanordnung

Beschreibt, wer, wann, was, womit, warum, woran, wie und wie oft etwas beobachtet, misst, mischt, destilliert, seziert, mikroskopiert, injiziert und Ähnliches. In der Wissenschaft unerlässlich, um neue Beobachtungen und Entdeckungen zu machen - ist man nicht ein Genie, dem zufällig ein Apfel auf den Kopf fällt.

Vorwissenschaftliche Arbeit

Forschungsarbeit, die beinahe wissenschaftliches Niveau hat und mit 40000 bis 60000 Zeichen, also auf etwa 30 Seiten, eine Forschungsfrage beantworten muss, will man die erste der drei Säulen, die die neue Reifeprüfung für Jugendliche bereithält, umschiffen. Im Gegensatz zur bald antiquierten Fachbereichsarbeit für alle AHS-Schüler, die im kommenden Herbst in die 7. Klasse kommen, Pflicht.

Wissenschaftliche Arbeit

Ein Aufsatz, in dem ein oder mehrere Wissenschafter die Ergebnisse ihrer Forschung präsentieren. Besteht meist aus (I) dem Titel, (II) einer Zusammenfassung gefolgt von (III) der Einleitung, die notwendiges Vorwissen erläutert, (IV) den Ergebnissen, (V) einer Beschreibung der Methoden, die zu genau diesen Ergebnissen geführt haben, und einer (VI) Diskussion, die Zusammenhänge erklären soll. Danksagungen (VII) und Literaturverweise (VIII) sind im Anhang zu finden.

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