Kommentar

Universitas Semper Reformanda

Erhard Busek | aus HEUREKA 4/12 vom 24.10.2012

Dieser Satz wurde immer für die Kirche verwendet, gilt aber genauso für die Hohen Schulen. Der Vorteil früherer Zeiten war, dass die Rasanz der Entwicklung nicht in dem Ausmaß gegeben war, wie das heute der Fall ist.

Die Zeitdistanzen zwischen der Thun-Hohensteinschen Refom im 19. Jahrhundert, dem, was Hertha Firnberg hinterlassen hat, von mir und dann erst recht von Elisabeth Gehrer korrigiert wurde, zeigt die immer kürzer werdenden Zyklen. Es wäre daher überlegenswert, ob man nicht von dem System der relativ genauen Legislative und Definierung der Hochschule dazu übergehen sollte, in einer Rahmengesetzgebung bestimmte Fragen zu regeln (Qualitätsbestimmung, Zertifikationen, etc.), aber die eigentlichen Inhaltsfragen dem Wissen und Gewissen der Universitäten selbst zu überlassen, also echte Autonomie.

Das zusätzliche Problem ist die heute notwendige Europäisierung, ja Globalisierung, vor allem der Wirtschaftslandschaft. Der Begriff der Internationalisierung scheint mir heute zu flach zu sein, weil damit meistens nur Austauschprogramme, Forschungskooperationen und Stipendien verstanden werden. Ziel der Hochschulreform heute müsste es sein, wieder die "Europäische Universität“ zu schaffen, die sie ja vom Ausgang her war.

Ein weiterer Aspekt ist natürlich jener der Spezialisierung, weil es nicht nur darum geht, Grenzüberschreitung zu üben, sondern die in sich notwendigen Verbindungen der einzelnen Wissensbereiche stärker herauszuarbeiten und Studentinnen und Studenten auch dazu in die Lage zu versetzen, dem gerecht zu werden.

Die heutige Diskussion der Hochschulreform ist leider immer nur eine Organisationsdiskussion, wie das ja auch im Bereich der Schulen der Fall ist. Umgekehrt könnte man ja die Frage stellen: wird heute das gelehrt und geforscht, was wir wirklich brauchen?

Darin besteht die eigentliche Problematik der mangelnden Qualität, wie es schmerzvoll immer wieder im Ranking auf internationaler Ebene zum Ausdruck kommt. Es ist zu billig, immer nur nach den Nobelpreisträgern zu fragen, die heute nicht mehr bei uns entstehen, sondern ganz selbstverständlich nach einer breiteren Qualität.

Dazu aber fehlt eines: die entsprechende Auseinandersetzung. Einfacher gefragt: Ist Hochschulreform heute ein Thema? Natürlich nicht, mit Ausnahme des Falter.

Erhard Busek ist Vorstand des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa, Präsident des Europäischen Forums Alpbach und war u.a. Wissenschaftsminister

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