Biologie

Rationales Denken macht unser Handeln egoistischer. Das Bauchgefühl aber ist solidarisch

Jochen Stadler | aus HEUREKA 4/12 vom 24.10.2012

Teamwork unterscheidet Menschen von Affen, meint der österreichische Harvard-Biologe Martin Nowak. "Stecken Sie einmal vierhundert Schimpansen für einen sieben-Stunden-Flug in die Economy-Klasse. Die würden wahrscheinlich blutend, mit zerbissenen Ohren und zerrupftem Fell aus dem Flieger taumeln“, schreibt er im Buch "Supercooperators“. Millionen Menschen erdulden diese Tortur Tag für Tag friedlich.

Doch Zusammenarbeit bedeutet oft mehr als passive Leidensfähigkeit, nämlich dass man dafür Zeit und Geld investieren muss. Nowak und seine Kollegen wollten wissen, ob Menschen eher aus dem Bauch heraus kooperieren, oder ob sie herzlich egoistisch sind und erst durch eine Denkpause auf die Vorteile von Teamwork kommen. Dazu rekrutierte er Versuchspersonen über eine Internet-Plattform.

Die Teilnehmer bekamen 40 Cent ausbezahlt und sollten davon so viel sie wollen in einen Fonds einzahlen. Der Spielleiter würde den Betrag verdoppeln und gleichmäßig zurückzahlen.

Handelten die Teilnehmer intuitiv, machten sie mehr Geld locker, als wenn sie über die Investition nachdachten, fanden die Forscher heraus. "Unser erster Impuls ist es zu kooperieren“, sagt Nowak, "doch er wird durch kalte Logik untergraben“. Dabei würde die Logik lehren, dass jeder am meisten gewinnt, wenn er sein ganzes Vermögen in den Topf wirft.

Auch wenn man die Teilnehmer vor dem Versuch darauf einschwor, eher intuitiv zu handeln, waren sie großzügiger, als wenn man sie auf logisches Denken trimmte. Bei Entscheidungsträgern wäre es also fatal, verlangte man von ihnen, möglichst rational zu handeln, meint Nowak: Sie würden dadurch egoistischer.

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