Kognitionsbiologie

Neue Einblicke in die Evolution der Sprache

Uschi Sorz | aus HEUREKA 4/12 vom 24.10.2012

Liegt der Ursprung der menschlichen Sprache im Lippenschmatzen der Affen?

Wie ist die menschliche Sprache entstanden? Welche Erkenntnisse darüber lassen sich aus dem Vergleich der Fähigkeiten von Menschen und Tieren ableiten?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Gruppe um W. Tecumseh Fitch vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien. Ihre neuen Forschungsergebnisse unterstützen die These, dass sich die menschliche Sprache nicht aus der Lautbildung, sondern aus der kommunikativen Mimik entwickelt hat.

Das hat W. Tecumseh Fitch, Leiter des Wiener Departments für Kognitionsbiologie und ERC-Grant-Preisträger, gemeinsam mit Kollegen der Princeton University im Juli im renommierten Fachmagazin "Current Biology“ publiziert.

Das lebhafte Mienenspiel, mit dem sich Affen verständigen, fasziniert Wissenschafter schon seit Längerem. Auch Peter McNeilage von der University of Texas ortete darin bereits die Wurzeln der menschlichen Sprache und nicht, wie traditionell angenommen, in den Lauten der Primaten. Die Bewegungen des Lippenschmatzens sind dem Wechsel von Vokalen und Konsonanten auffallend ähnlich.Nun haben die Wissenschafter der Uni Wien und der Princeton University Lippenschmatzen bei Makaken anhand von Röntgenfilmen untersucht. Auf den ersten Blick scheint es sich aus dem schnellen Öffnen und Schließen der Lippen zu ergeben. Die Röntgenfilme belegen aber einen komplexen Ablauf aus schnellen, koordinierten Bewegungen von Lippen, Kiefer, Zunge und Zungenbein, und zwar in einer ähnlichen Geschwindigkeit wie die menschliche Sprache. Sie unterscheiden sich auch von Kaubewegungen, die nur halb so schnell sind.

Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass der Ursprung der menschlichen Sprache in einer Kombination aus "traditioneller“ Phonation, also durch die Stimmbänder erzeugten Lauten, und schnellen, erlernten Bewegungen des Vokaltrakts liegt.

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