Wind und Sonne verlieren gegen Schiefer

Gunnar Heinsohn | aus HEUREKA 4/12 vom 24.10.2012

CO2-Reduktion durch Schiefergas? Den USA ist damit die größte je gemessene CO2-Reduktion gelungen

Im Juni 2009 erklärte Barack Obama der Kohle den Krieg. Wenn er tatenlos bleibe, werde man 2013 volle 40 CO2-Molküle auf je 100.000 Luftmolekülen zählen und der Apokalypse wieder ein Stück näher sein. Doch schon seit Jahren ist ein anderer Kohlewürger am Markt, der auch Erdöl und Atomstrom stranguliert: eine Trillion Kubikmeter Schiefergas - das sind 10.000 Jahre deutscher Verbrauch.

Grund für Jubel: das Material ist 30 Prozent CO2-ärmer als Erdöl und 60 Prozent reiner als Kohle sowie billiger als beide. Die größte CO2-Reduktion schafft mit 430 Millionen Tonnen zwischen 2006 und 2011 Amerika. Unermüdlich arbeitet das Schiefergas an der Rettung des Planeten.

In jenen fünf Jahren wächst Amerikas Gas-Strom um ein Viertel, Kohle-Strom geht um zehn Prozent zurück. Von zwei Milliarden Kubikmetern Schiefergas 1995 springen die USA auf 150 Milliarden Kubikmeter 2010 (neben 500 Milliarden Kubikmetern Erdgas). Deutschland förderte 2010 nur 12,7 Milliarden Kubikmeter Gas und verbraucht 96 Milliarden.

Verflüssigt, revolutioniert Schiefergas in den USA gerade die Lkw-Motoren. Das Elek-troauto verfällt bereits bei Ankündigung des neuen Gegners in Siechtum. Statt 100.000 Stück jährlich, die allein Berlin zwischen 2010 und 2020 fordert, schafft Deutschland gerade 3000. Wenige, extrem teure Fahrzeuge subventioniert der kleine Mann, damit eine Oberschicht grüner Bonzen ihr stolzes Gewissen vor den Augen der Abgezockten paradieren lassen kann.

Folgenreicher ist die Botschaft an die Unternehmen. Kümmert euch nicht mehr ums Geldverdienen, sondern rechnet für alle Zukunft auf geschenktes Geld. Die Firmen zögern durchaus, aber wenn eine zugreift, müssen es alle nehmen. Das gewinnt aktuell in England bizarre Züge.

Die Insel, mit fünf Billionen Kubikmetern Schiefergas an Land und weiteren 28 Billionen unter der Nordsee, ergreift zuerst den ökonomischen Hammer aus Amerika. Der Energieminister will arme Gegenden in Cheshire und Lancashire über ihren Schiefer wieder reich machen und seiner Indus-trie bezahlbaren Strom verschaffen. Daraufhin drohen im Oktober fünfzig grüne NGO und sieben Großfirmen wie Siemens oder Alstom mit Investitionsstopp, wenn London ihnen nicht auf Jahrzehnte hinaus üppige Überweisungen sowie das Austilgen der Schieferkonkurrenten garantiere. Warum soll es nicht überall so schön sein wie in Deutschland? Dort herrschen Ideologen. Doch die übrige Welt folgt ihnen nicht beim Ausschalten der Märkte. Auch funktioniert das Verbieten und Befehlen nicht einmal daheim. Da Wind und Sonne immer volle Last oder gar nichts bringen, müssen die Anlagen mit weiteren Lasten für die Menschen wieder herbeigelockt werden, die im Orkus der Geschichte landen sollten.

Nicht einmal der Durban-Preis 2011 an das "Führer-Land“ beim CO2-Reduzieren (Country Leadership Award) verleiht Berlin echten Biss. Peking wendet sich von der deutschen Planwirtschaft ab. Die Aktien chinesischer Solarfirmen stürzen zum Oktober 2012 auf zwei bis 15 Prozent ihres Preises von 2007. Ihnen geht es ebenso schlecht wie Europas Windmühlengiganten Nordex und Vestas, die aus Angst vor Billigenergie 90 Prozent Wertverlust erleiden. Doch China hat mindestens 50 Billionen Kubikmeter Schiefergas und weicht drauf aus. Während Siemens England bei Ausbleiben finanzieller Dauergaben boykottieren will, bezahlt man in Szechuan Leute aus London für das Erbohren der neuen Schätze. Deutschland und Österreichs Industrielle zahlen derweil für russisches Gas viermal so viel wie ihre US-Konkurrenten für den Schieferstoff.

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