Jobwunder oder Ökoschmäh?

Dieter Hönig | aus HEUREKA 4/12 vom 24.10.2012

Was sind Green Jobs überhaupt - und halten sie, was manche sich von ihnen versprechen?

Man denkt spontan an Techniker, die an neuen Solaranlagen oder Windrädern arbeiten. Nach offizieller Diktion sind Green Jobs aber alle Arbeitsplätze, die Umwelt und natürliche Ressourcen schonen und schützen sollen. Dazu gehören auch Beschäftigte in der biologischen Landwirtschaft, der Abfallwirtschaft, Wassertechnik oder im ökologischen Tourismus.

Die Umweltwirtschaft ist, laut Umweltminister Nikolaus Berlakovich, eine der wichtigsten Zukunftsbranchen: "Ich habe meine Initiative, Mehr Jobs durch Green Jobs’ 2010 gestartet. Damals waren 185.000 Menschen in Green Jobs tätig, heute sind es bereits 210.000.“

Das Lebensministerium stellt jährlich über 700 Millionen Euro für Maßnahmen zur Verfügung, die in weiterer Folge Green Jobs bringen sollen: Die thermische Sanierung, die Umweltförderung oder die Unterstützung energieautarker Regionen. Berlakovich: "Die Umweltwirtschaft ist mit einem Plus von 7,9 Prozent an Green Jobs das Zugpferd für Beschäftigungsentwicklung und erweist sich gegenüber der Gesamtwirtschaft, die nur auf plus 0,6 Prozent Beschäftigte kommt, als Musterschüler.“

Anders sieht man dies bei der Arbeiterkammer und spricht von "Ökoschmäh“. Sven Hergovich, Umweltexperte der AK: "Bei genauerem Blick lässt sich erkennen, dass Green Jobs oft nicht besonders gut bezahlt sind und teilweise sogar gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen aufweisen, wie etwa Lärmbelästigungen oder hohe Unfallgefahr.“

Aspekte der Qualität einer Arbeit blieben also vollkommen unberücksichtigt. Ziel vernünftiger Umweltpolitik sollte es jedoch sein, mit ökologischen Investitionen nicht nur sinnvolle Umweltschutzmaßnahmen durchzuführen, sondern auch Arbeitsplätze, von denen man leben kann, zu schaffen.

Ein Vorwurf, der für Berlakovich ins Leere zielt: "Green Jobs gibt es in verschiedensten Bereichen und daher mit unterschiedlichsten Anforderungsprofilen und auf verschiedensten Ausbildungsniveaus, von der Lehre bis zum Hochschulabschluss.“

Mit deren Forcierung steigen laut Berlakovich auch die Angebote zur Aus- und Weiterbildung im Umweltbereich. "Spezielle Tätigkeiten benötigen klarerweise auch spezielle Ausbildungen und höhere Qualifikationen“, sagt der Minister.

Für Stephan Schwarzer von der WKÖ sind Green Jobs zwar kein Wundermittel der Beschäftigungspolitik, aber ein Element, um im globalen Standortwettbewerb durch Technologieführerschaften zu bestehen. "Generell brauchen wir hoch qualifizierte und innovative Mitarbeiter, die sich mehr als ihre Wettbewerber auf die Kundenbedürfnisse einstellen und den Kunden ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis über die Lebensdauer der gelieferten Anlagen garantieren.“

Green Jobs seien jedoch nicht die Alternative zu bisherigen Jobs. Vielmehr stünden sie in symbiotischer Beziehung zum Rest der Volkswirtschaft, die ja stark verflochten ist: "Geht es dem einen Bereich der Wirtschaft gut, profitiert auch der andere davon.“

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