Energiewende: Das Glossar

Jochen Stadler | aus HEUREKA 4/12 vom 24.10.2012

Energie kann man physikalisch weder verbrauchen noch erneuern, aber praktisch sehr schnell verpulvern

Bioenergie

stammt aus nicht-fossiler Biomasse. Wird vermutlich keinen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten, weil sie im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen oft mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden ist. Ihr Scherflein kann sie aber gut und gern beitragen, etwa, wenn man Mist und Gülle aus der Tierhaltung, Lebensmittelabfällen und Pflanzenresten zur Energiegewinnung verwendet.

Biogas

kann aus Fäkalien der Nutztiere gewonnen werden; dabei entsteht nebenbei hochwertiger Dünger und die Emissionsvermeidung des Treibhausgases Methan. Allerdings wird dazu häufig extra Biomasse angebaut und die Energie daraus mit Verlusten in Strom umgewandelt.

Biokraftstoff

Biodiesel und Bioethanol, die nicht aus ökologischer Landwirtschaft stammen, sondern bloß aus Biomasse hergestellt werden. Zunächst als Treibstoffe der Zukunft gepriesen, werden sie heute wegen der Konkurrenz zu Lebensmitteln und ihrer nicht ganz so tollen Klimabilanz stark kritisiert.

E5/E10

Kraftstoffe für Benzinmotoren, die fünf oder zehn Prozent Bioethanol enthalten. E5 ist in Österreich gängig, und auch E10 kann von den meisten Benzinautos problemlos verwendet werden. Er sollte helfen, eine EU-Richtlinie umzusetzen, nach der im Jahr 2020 mindestens zehn Prozent der Energie im Verkehr aus erneuerbaren Quellen stammen sollen. Weil jedoch Bioethanol mit Nahrungsmitteln konkurriert, geriet E10 unter Beschuss und wurde nicht, wie zunächst angekündigt, am 1. Oktober 2012 in Österreich eingeführt.

Energie

kann man physikalisch weder verbrauchen noch erneuern, aber praktisch sehr schnell verpulvern. Davon weiß jeder ein Lied zu singen, dem schon einmal auf der Bundesstraße das Benzin ausgegangen ist, oder der beim Radfahren fast seinen kompletten Blutzucker verbraucht hat.

Energieeffizienz

bringt etwa eine Gefriertruhe ihren Inhalt mit minimalem Energieaufwand zum Gefrieren, dann ist sie sehr effizient. Schlägt nicht Jevons’ Paradoxon zu, kann man so Energie sparen. Dies erreicht man aber auch durch Mäßigung - etwa, in dem man die Heizung bewusster reguliert oder weniger mit dem Auto fährt.

Energiewende

Abkehr von fossilen Energieträgern und nuklearen Brennstoffen zu erneuerbaren Energieträgern und einer nachhaltigen Energieversorgung.

Erdwärme/Geothermie

Rund 99 Prozent unseres Planeten sind heißer als 1000 Grad Celsius; gerade einmal auf der Oberfläche herrschen für uns Menschen annehmbare Temperaturen. Die Hitze stammt teilweise aus der Erdentstehung, teilweise aus radioaktivem Zerfall in ihrem Inneren und den Gezeitenkräften des Mondes, welche die Erde verformen. Durch Wärmeleitung sowie Gas- und Flüssigkeitsströme steigt die Hitze beständig aus tieferen Schichten zur Oberfläche und kann zum Heizen, Kühlen und zur Stromerzeugung genutzt werden. Mit oberflächennaher Erdwärme kann man etwa einzelne Gebäude klimatisieren; tiefere Quellen zapft man für Kraftwerke an. In Österreich sind derzeit drei Erdwärmekraftwerke in Betrieb und zwei weitere in Bau.

Erneuerbare Energie

Energieträger, die der Menschheit mehr oder weniger uneingeschränkt zur Verfügung stehen oder zumindest so schnell nachwachsen, wie sie verbraucht werden. Ihre Quellen sind Sonne, Erdwärme und Mond. Man kann sie als Windenergie, Biomasse, Wasserkraft, direkte Sonnenenergie, Erdwärme und Meeresenergie gewinnen, aber auch durch Müllverbrennung.

Fossile Energie

In Form von Kohle, Torf, Erdöl und Erdgas gespeicherte Sonnenenergie aus Urzeiten, die damals von Pflanzen in Biomasse umgewandelt wurde und manchmal den Umweg über Tiere nahm. Wird in der Regel durch Verbrennung genutzt und deckt zurzeit mehr als drei Viertel des weltweiten Energiebedarfs.

Gezeitenkraftwerke

werden in Meeresbuchten errichtet und fangen die Gezeitenströmungen des Meeres mit einem Staudamm auf. Bei Flut treibt das einströmende, bei Ebbe das ausfließende Wasser die Turbinen an. Sie wandeln so die Anziehungskraft des Mondes und der Sonne in Strom um. Man schätzt, dass jedoch nicht mehr als 100 Buchten weltweit dafür infrage kommen. Außerdem stören sie die lokale Fischwelt.

Globales Ölfördermaximum / Oil Peak

Der Punkt, an dem weltweit das meiste Öl gefördert wird. Danach geht es bergab, sowohl mit der Ölgewinnung als auch vermutlich mit der Wirtschaft, die derzeit auf Wachstum angewiesen ist. Nach Ansicht vieler Experten ziemlich zeitnah, vielleicht sogar schon passiert.

Graue Energie

Die Energiemenge, die von der Erzeugung bis zur Entsorgung für ein Produkt benötigt wird. Für eine Tafel Schokolade etwa 2,5 Kilowattstunden (kWh), für ein Falter Heureka 7 kWh, einen PC 3000 kWh und ein Auto um die 20.000 kWh (umgerechnet 80 Falter-Jahresabos).

Jevons’ Paradoxon / Rebound Effekt

Je effizienter man einen Rohstoff nutzen kann, umso mehr wird er verwendet, da sich neue Möglichkeiten eröffnen, fand der Engländer William Stanley Jevons vor etwa 150 Jahren heraus. Er hatte beobachtet, dass neue Dampfmaschinen zwar weniger Kohle brauchten, der Gesamtverbrauch aber weiter stieg. Heute werden etwa sprit-sparendere Autos durch mehr Verkehr überkompensiert.

Konventionelles Öl

Billiges, rasch verfügbares Erdöl aus Bohrlöchern, das aber bald seinen Höhepunkt in Form des globalen Ölfördermaximums überschritten haben wird. Macht derzeit etwa 95 Prozent aus.

Kurve

Richtungsänderung des Weges. Um auf der Straße oder bei der Energieversorgung nicht aus der Kurve zu fallen, muss man rechtzeitig bremsen und einlenken. Zumindest im Straßenverkehr hat es meist schmerzhafte Folgen, wenn man darüber hinausschießt.

Ökoeffizienz

Der wirtschaftliche Wert eines Produkts geteilt durch seine Auswirkungen auf die Umwelt. Muss man etwa für die Herstellung eines Gebrauchsgegenstands weniger Material oder Energie verwenden, entstehen dabei weniger Schadstoffe; ist er leichter recycelbar, so steigt seine Ökoeffizienz.

Sonnenenergie

Die Sonne sendet mehr als fünftausend Mal so viel Energie zur Erdoberfläche, als die Menschheit braucht. Direkt kann sie genützt werden durch Sonnenkollektoren, die Wärme gewinnen, und Solarzellen, die Strom erzeugen. Oder indirekt über Biomasse, Wind- und Wasserkraft.

Tortilla-Krise

Durch steigende Mais- und damit Tortillapreise ausgelöste Massendemonstrationen in Mexiko 2007, gleichzeitig mit Hungeraufständen in anderen Ländern. Für den damaligen sprunghaften Anstieg der Grundnahrungsmittelpreise wurde auch die gesteigerte Verwendung von Mais zur Treibstoffherstellung für verantwortlich gehalten. Missernten und Dürren sowie Spekulationsgeschäfte an den Warenbörsen waren daran wohl auch nicht unbeteiligt.

Unkonventionelles Öl

Seine Förderung aus Ölschiefer, Teersand und die Umwandlung aus Kohle sind im Gegensatz zum konventionellen Erdöl teuer, zeit- und energieaufwendig und umweltschädlich. Lohnt sich jedoch langfristig finanziell durch die steigenden Ölpreise.

Wasserstoffantrieb

Wasserstoff kann in Verbrennungsmotoren und -turbinen verwendet werden und hinterlässt dabei sauberere Abgase als Benzin oder Diesel. Noch umweltfreundlicher sind Brennstoffzellen, in denen sich Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser verbinden und dabei elektrischer Strom erzeugt wird. Allerdings gibt es auf der Erde keine natürlichen Wasserstoffvorräte, er wird derzeit größtenteils mit fossiler Energie hergestellt. Allerdings forscht man daran, ihn durch natürliche Fotosynthese oder künstliche Katalysatoren mit Lichtenergie zu gewinnen.

Wende

Ob beim Schwimmen oder Segeln, nach einer Wende fährt man immer in die entgegengesetzte Richtung. Bei einer Energiewende würde man demnach, anstatt das Klima mit fossilen Brennstoffen anzuheizen, hauptsächlich erneuerbare, klimaneutrale Energiequellen nützen.

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