Ernährungswissenschaft

Esst Schnecken! Sie liefern Eiweiß und leben im Garten

Anja Stegmaier | aus HEUREKA 5/12 vom 21.11.2012

Schnecken? Wäh - die essen nur kleine Kinder, wenn niemand aufpasst. Falsch: Weinbergschnecken waren Nahrungsmittel

Helix pomatia, die Weinbergschnecke, ist uns im Alltag eher als lästige Gartenbewohnerin bekannt. Dass diese Schalenweichtiere aber seit der Altsteinzeit zu den wichtigsten Nahrungsmitteln der Menschen zählen, ist in Vergessenheit geraten. Dabei sind schon drei Stück so reich an Omega-3-Fettsäuren, dass damit die von der WHO empfohlenen 200 Milligramm für den täglichen Bedarf gedeckt sind.

Ernährungswissenschafter Daniel Reheis attestiert einem Großteil der westlichen Gesellschaft eine 95-prozentige Unterversorgung an T3, eines von zwei wichtigen fertigen Schilddrüsenhormonen, dessen Vorläufer mit dem Schneckenfleisch aufgenommen werden können und die eine Schlüsselrolle in der menschlichen evolutionären Entwicklung darstellen.

Der Hauptnährwert der Schnecke besteht aus ihrem hohen Gehalt an Selen, Jod, Eisen und Zink und ist deshalb für uns Menschen eine wichtige Nahrungsquelle. Das Fleisch hat einen hohen Proteingehalt und eine für den Menschen optimale Fettsäurenzusammensetzung. Vor allem die Leber ist reich an den genannten Nährstoffen; leider wird sie, wie viele andere Innereien, oft entsorgt.

Neben Schnecken gehören auch Insekten auf den Speiseplan der Zukunft. Im Vergleich zur Masttierzucht von Rind oder Schwein sind Schnecken und Insekten sehr gute Futterverwerter. Sie brauchen wenig Platz, Futter und Wasser.

Bei Rindern hingegen werden fünf Kilogramm Futter und 14.000 Liter Trinkwasser für die Produktion von einem Kilogramm Fleisch benötigt. Weltweit stoßen Rinder 18 Prozent der Treibhausgase aus, das ist mehr als der gesamte Autoverkehr. 2050 soll laut Vorhersagen unser Fleisch- und Wurstkonsum auf das Doppelte steigen.

Alles gute Gründe, einmal in der Woche vielleicht doch den Schnecken den Vorzug zu geben. Aber Obacht: Freilebende Weinbergschnecken stehen heute fast in gesamt Mitteleuropa unter Naturschutz und dürfen nicht mehr gesammelt werden. Ein Besuch beim Schneckenbauer des Vertrauens ist daher angeraten.

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