Kommentar

Sterben in Österreich die Ärzte aus?

Wolfgang Schütz | aus HEUREKA 1/13 vom 24.04.2013

Seit geraumer Zeit geistert das "Ärztemangel-Gespenst" durch Österreich. Verwaiste Landarztpraxen sollen durch mehr Medizinabsolventen wieder zum Leben erweckt werden - soweit die Milchmädchenrechnung.

Eine Studie der "Gesundheit Österreich" zum Bedarf an Ärztinnen und Ärzten in Österreich bis zum Jahr 2030 (veröffentlicht im Sommer 2012) zeigt klar auf, worauf es ankommt, um dem Bedarf für die kommenden 20 Jahre gerecht zu werden - nämlich auf grundsätzliche, strukturelle Verbesserungen, die für die Absolventinnen und Absolventen unserer Medizinuniversitäten Österreich wieder beliebter machen, egal ob am Land oder im urbanen Bereich.

Tatsächlich zieht es immer mehr Absolventen des Medizinstudiums für den Turnus ins europäische Ausland, wo die Bedingungen deutlich attraktiver sind als in Österreich: Mit einer besseren und kürzeren postgraduellen Ausbildung bei gleichzeitig höherem Gehalt und bei viel höherer persönlicher Wertschätzung.

Hierzulande werden Fachärzte und Allgemeinärzten in (viel zu langer) Ausbildung allzu oft als Billig-Arbeitskräfte betrachtet, die auf Kosten der Ausbildung auch mit nichtärztlichen Tätigkeiten belastet werden. Während Ärzte in Österreich erst Mitte 30 ihre Berufsberechtigung erlangen, sind ihre Kollegen anderswo bereits mehrere Jahre approbiert.

Ziel muss also sein, Abwanderungen ins Ausland, Berufsniederlegungen sowie vorzeitige Pensionierungen zu vermeiden und die Arbeitsbedingungen für Turnus-und Fachärzte in Österreich deutlich zu verbessern. Die wichtigsten Empfehlungen aus der eingangs erwähnten Studie "Gesundheit Österreich" zeigen auch auf, welche Schritte nötig sind, um diese negativen Trends nachhaltig zu stoppen: eine arbeitsgerechte Verwendung und Bezahlung der Auszubildenden; eine Verkürzung der Ausbildungsdauer; die Erleichterung der Niederlassung und die Bildung von Gruppenpraxen im ländlichen Raum; weiters die Berücksichtigung des zunehmenden Frauenanteils im Sinne flexibler Arbeitszeitmodelle inklusive durchgehender Kinderbetreuungsangebote und schließlich die Vernetzung der verschiedenen Berufsgruppen in den Spitälern im Sinne einer integrierten Versorgung mit mehr Tages-und Wochenkliniken.

Im Übrigen: Ob es für die Zukunft tatsächlich einen Mehrbedarf an Ärztinnen und Ärzten in Österreich gibt, bleibt fraglich. Österreich hat schon jetzt nach Griechenland die höchste Ärztedichte in Europa.

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