Blut in Österreich: Das Glossar

Jochen Stadler | aus HEUREKA 1/13 vom 24.04.2013

Aderlass

Von der Antike bis ins 19. Jahrhundert verbreitete Heilmethode, die unter anderem dem ersten Präsidenten der USA, George Washington, das Leben gekostet haben könnte, als die Ärzte damit und mit starken Abführmitteln seine Kehlkopfentzündung kurieren wollten. Wird heute selten praktiziert, wenn etwa zu viele rote Blutkörperchen das Blut zäh machen oder zu viel Eisen im Körper zirkuliert.

Blaues Blut

Das Blut lichtscheuer Adeliger erschien durch die blasse Haut blau. Sie erhielten sich ihren fahlen Teint durch Sonnenschirmchen, Hüte und Stubenhocken, um ja nicht den Eindruck zu erwecken, sie wären wie ihre Untertanen bei der Arbeit der Sonne ausgesetzt. Spanischen Aristokraten setzte die Sonne besonders zu, sie kultivierten ihre "noble Blässe", indem sie sich mit nordischem Adel kreuzten.

Blut

Flüssiges Organ, von dem Männer etwa fünf bis sechs Liter, Frauen vier bis fünf Liter besitzen. Besteht knapp zur Hälfte aus Zellen, der Rest ist Blutplasma. Es transportiert Sauerstoff, Nährstoffe, Botenstoffe und Abfallprodukte, wehrt Krankheitserreger ab und hilft, die Körpertemperatur konstant zu halten.

Blut-Hirn-Schranke

Grenzkontrolle, die Nährstoffe in die Denkzentrale ein-und Abfallprodukte ausreisen lässt, aber im Blut reisende Krankheitserreger und Stoffe, die hier Unheil anrichten könnten, abweist. Auch den meisten Medikamenten wird der Eintritt verwehrt, was eine Behandlung von Hirnkrankheiten erschwert.

Blutarmut/Anämie

Blutverlust und Krankheiten können dazu führen, dass zu wenige rote Blutkörperchen und zu wenig Hämoglobin im Blut sind und es daher weniger Sauerstoff binden kann.

Blutbildung/Hämatopoese

Blutzellen entstehen im Knochenmark und dem Lymphsystem aus blutbildenden Stammzellen.

Bluterkrankheit/Hämophilie

Erbkrankheit, von der fast nur Männer betroffen sind, da die verantwortlichen Gene auf dem X-Chromosom liegen, von dem Frauen zwei Kopien haben und Männer nur eine. Blutern mangelt es an Gerinnungsfaktoren, ihr Blut gerinnt daher bei Verletzungen nicht oder nur langsam. Kann durch Verabreichung der defekten Gerinnungsfaktoren behandelt werden. Die Krankheit war in den inzestuösen europäischen Herrscherfamilien verbreitet.

Blutersatz

Kann entweder nur das Blut verdünnen, damit der Kreislauf weiter funktioniert, oder auch Sauerstoff transportieren. Forscher entwickeln synthetischen Ersatz und natürlichen aus dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin (biotechnologisch hergestellt, aus abgelaufenen Blutkonserven oder Rinder-und Schweine-Hämoglobin).

Blutgerinnung

Der durch die Blutstillung gebildete, lose Verschluss wird durch stabile Fäden verstärkt, die aus Blutplasmabestandteilen gestrickt sind. Sie vernetzen die bereits verklumpten Blutplättchen, auch rote Blutkörperchen werden in den Wundverschluss eingebaut.

Blutgruppen

Rote Blutkörperchen können unterschiedliche Oberflächen besitzen. Das menschliche Immunsystem bildet Antikörper gegen andersartige Blutkörperchen und bringt sie zum Verklumpen, was bei einer Blutspende fatal ist. Es gibt 29 verschiedene, bei der Internationalen Gesellschaft für Bluttransfusion verzeichnete Blutgruppensysteme, die wichtigsten sind ABO und Rhesus. Blutgruppen werden vererbt.

Blutgruppen-Verträglichkeit

Werden rote Blutkörperchen verabreicht, darf ein Empfänger mit der Blutgruppe 0 nur Blut derselben Gruppe bekommen, A kann als Spende A und 0 erhalten, B verträgt B und 0, AB alles (AB, B, A, 0). Umgekehrt sieht es aus, wenn Blutplasma eingeflößt wird. Dann stehen für einen 0-Empfänger AB, A, B und 0 zur Auswahl, für A ist A und AB möglich, B kann B und AB bekommen und AB ist auf AB-Plasma angewiesen.

Blutkrebs/Leukämie

Krankhafte Vermehrung von (vor allem unreifen) weißen Blutkörperchen. Sie machen sich im Knochenmark breit und stören die Blutbildung. Es mangelt dadurch an roten Blutkörperchen, Blutplättchen und reifen weißen Blutkörperchen. Kann etwa durch Chemo- und Strahlentherapie sowie Transfusion mit Blutstammzellen behandelt werden. In jüngster Zeit wurden auch Medikamente entwickelt, die gezielt die Vermehrung von Blutkrebszellen hemmen.

Blutplasma

Der zellfreie Teil des Blutes, transportiert Zucker, Fette, Hormone, ein bisschen Sauerstoff, Kohlendioxid, Stoffwechselprodukte, Elektrolyte, Hormone und Gerinnungsfaktoren.

Blutplättchen/Thrombozyten

Die kleinsten Blutzellen sind wichtig, damit Wunden verschlossen werden. Sie heften sich an verletztes Gewebe, verkleben miteinander und setzen Stoffe frei, die die Blutgerinnung fördern.

Blutserum

Blutplasma ohne Gerinnungsfaktoren.

Blutspende

Freiwillige Herausgabe des Lebenssaftes, entweder uneigennützig für Mitmenschen, für die Wissenschaft oder den späteren Eigenbedarf, wenn die Ärzte etwa bei einer Operation großen Blutverlust fürchten.

Blutstillung

Verletzte Gefäße verengen sich, Blutblättchen heften sich an das Leck und verkleben miteinander. So wird die Wunde provisorisch bis zur Blutgerinnung verschlossen.

Bluttransfusion

Einflößen von Vollblut oder bestimmten Blutbestandteilen zwecks Therapie. Meist werden nur die notwendigen Komponenten verabreicht, also etwa Konzentrate aus roten oder weißen Blutkörperchen, Blutplättchen und Blutstammzellen.

Blutvergiftung/Sepsis

Passiert, wenn sich Krankheitserreger und ihre Gifte im Blutkreislauf ausbreiten und das Immunsystem so stark reizen, dass es überreagiert. In Österreich mit geschätzten 6.000 bis 7.500 Todesfällen pro Jahr die dritthäufigste Todesursache.

Blutwurst

besteht aus Schweineblut, Speck, Schwarte und Gewürzen und ist dank geronnenem Bluteiweiß schnittfähig.

EPO/Erythropoetin

Wachstumsfaktor, der die Bildung von roten Blutkörperchen fördert, das Blut kann so mehr Sauerstoff transportieren. Ursprünglich als Medikament gegen Blutarmut entwickelt, wurde EPO durch Dopingfälle berühmt.

Hämoglobin

Eiweißstoff in roten Blutkörperchen, der Sauerstoff binden kann und dem Blut seine Farbe gibt.

Hämostase

Bringt Blutungen zum Stillstand und besteht aus Blutstillung und Blutgerinnung. Kann durch Medikamente gehemmt werden, um etwa Thrombosen zu behandeln, oder verstärkt werden, zum Beispiel bei der Bluterkrankheit.

Ochsenblut

Wetterfeste Farbe, die aus dem Blutserum frisch geschlachteter Ochsen, gelöschtem Kalk und Farbpigmenten hergestellt wurde, und Dielenböden sowie die Balken von Fachwerkbauten vor der Witterung schützte.

Rhesusfaktor

Bei Rhesusaffen entdeckte Eigenschaft der roten Blutkörperchen. Menschen ohne Rhesusfaktor D bilden Antikörper gegen denselben. Dies kann problematisch werden, wenn eine rhesusnegative Frau mehrere rhesuspositive Kinder bekommt. Beim ersten bildet ihr Körper Antikörper gegen den Rhesusfaktor, die die roten Blutkörperchen des zweiten Kindes angreifen. Die Bildung solcher Antikörper kann durch Medikamente unterdrückt werden.

Rote Blutkörperchen/Erythrozyten

Sind die häufigsten Zellen im Blut von Wirbeltieren und transportieren mit Hilfe von Hämoglobin Sauerstoff von der Lunge in den Körper.

Thrombose

Entsteht, wenn ein Blutgerinnsel (Thrombus) eine Vene oder Arterie verstopft. Als Therapie verwenden die Ärzte gerinnungshemmende, blutverdünnende Medikamente. Damit es nicht dazu kommt, helfen Bewegung, Normalgewicht und kein Rauchen.

Weiße Blutkörperchen/Leukozyten

Sie wehren Krankheitserreger ab, machen ihre Giftstoffe unschädlich und eliminieren etwa Tumorzellen.

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