Freistätters Freibrief

Weg mit Doktor!

Florian Freistetter | aus HEUREKA 1/13 vom 24.04.2013

Österreich liebt seine Titel. "Herr Doktor" und "Frau Professor" genießen Ansehen und Respekt so wie früher der "Freiherr" oder die "Frau Gräfin". Mit der Abgabe der Doktorarbeit erfolgt gleichzeitig die Transformation vom faulen Studenten, der dem Staat nur auf der Tasche liegt, zum seriösen und verehrungswürdigen Akademiker. Der Doktortitel ist viel mehr als nur das Zeichen einer bestimmten beruflichen Qualifikation. Viel mehr, als er sein sollte. Es ist an der Zeit, die akademische Arbeit von diesem "Zuviel" zu befreien. Der Doktortitel sollte abgeschafft werden - und damit auch die Motivation für Betrug und Missbrauch.

In Deutschland haben in den letzten Jahren viele prominente Politiker ihren Doktortitel verloren, weil sie betrogen haben. Sogar die - mittlerweile zurückgetretene - Wissenschaftsministerin Annette Schavan musste den Titel abgeben, weil in ihrer Arbeit Plagiate nachgewiesen werden konnten. Und nicht nur bei den Politikern wird abgeschrieben, plagiiert und für viel Geld Ghostwriter beauftragt, die einem die akademische Arbeit abnehmen. Hauptsache, man kann sich am Ende die begehrten zwei Buchstaben "D" und "r" vor den Namen stellen.

Aus akademischer Sicht ist der Titel dagegen völlig unnötig. In der Welt der Wissenschaft zählen keine Titel, sondern die tatsächlich geleistete Arbeit. Auch als Nachweis für die eigene Qualifikation ist der Doktortitel nicht notwendig. Dafür gibt es Zeugnisse. Die Situation ist mit der Habitilation vergleichbar. Wer sich in Deutschland oder Österreich "Privatdozent" oder später einmal "Professor" nennen will, muss heute immer noch eine Habilitationsarbeit verfassen. In anderen Ländern kommt man aber wunderbar ohne Habilitation aus, es reicht völlig, nachzuweisen, dass man ausreichend wissenschaftlich qualifiziert ist, um eine Professorenstelle antreten zu können. Es kommt darauf an, was man kann - und nicht, was vor oder hinter dem Namen steht!

Der wissenschaftliche Betrieb würde ohne die Doktortitel ganz genauso funktionieren und ablaufen wie heute. Nur die Angeber, Wichtigtuer und Hochstapler hätten keine Möglichkeit mehr, eine wissenschaftliche Qualifikation vorzutäuschen, die sie nicht haben. Der Doktortitel könnte problemlos abgeschafft werden.

Mehr von (Doktor) Freistetter: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex

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