Soziologie

Väter wollen nicht mehr in Karenz gehen. Ja, warum denn nicht? Das wird nun erforscht

Sonja Burger | aus HEUREKA 1/13 vom 24.04.2013

Als 2002 das Kinderbetreuungsgeld eingeführt wurde, hatte das einen positiven Effekt. Die Zahl der Väter, die in Karenz gingen, stieg sprunghaft an, und bis 2010 wurden es -allerdings auf niedrigem Niveau - immer mehr. Wie das im Rahmen von Sparkling Science geförderte Forschungsprojekt von Joanneum Research zur Väterkarenz und deren Auswirkungen auf die Karriereentwicklung von Akademikern nun zeigt, herrscht seit 2010 allerdings Stillstand.

"Gleichzeitig werden kurze Karenzzeiten unter Männern immer beliebter, und finanzielle Anreize wie das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld zeigen nicht die erhoffte Wirkung", sagt Projektleiterin Helene Schiffbänker.

Den Ursachen geht man in den nächsten Monaten auf den Grund, wobei erstmals auch die Unternehmerseite untersucht wird. "Diese beeinflusst neben der individuellen Ebene und der Karenzpolitik ganz maßgeblich die Entscheidung", weiß Helene Dearing, ÖAW-Stipendiatin vom Institut für Höhere Studien. Was das Forschungsprojekt laut Schiffbänker noch zeige: Zwei Jahre nach der Karenz sei beim Großteil der Akademiker die Jobsituation ähnlich gut wie vorher - und sie verdienen gleich viel beziehungsweise sogar ein wenig mehr.

"Viele gehen im Unterschied zu den Frauen erst im 13. und 14. Monat in Karenz. Außerdem arbeitet die Hälfte der Karenzväter geringfügig im Unternehmen weiter. Das alles erleichtert vielen den Wiedereinstieg", erklärt Schiffbänker. So positiv diese Ergebnisse auch sind, ist Jobverlust dennoch ein Risiko. Dieses ließe sich durch Elternteilzeit vermeiden. "Leider wird davon kaum Gebrauch gemacht, obwohl rund 50 Prozent der Frauen und noch mehr Männer darauf Anspruch hätten", kritisiert Sonja Dörfler vom Institut für Familienforschung.

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