Editorial

Christian Zillner | aus HEUREKA 1/13 vom 24.04.2013

Unsere Universitäten gehen vor die Hunde -und das von Wien über London bis Los Angeles. Zumindest könnte man dies glauben, wenn man die Essays besorgter Wissenschafter zum Thema Hochschulreformen in den Industrieländern liest. Sie alle räumen ein, dass es früher auch nicht ideal gewesen ist, aber jetzt stünde Hannibal ante portas, um mit seinen Kampfelefanten jeden ernsthaften Gelehrten hinter den schützenden Mauern der Alma mater plattzumachen.

Ich persönlich finde ja auch, dass früher alles besser war, doch bezieht sich mein "früher" auf die Zeit jener, die vor 15.000 Jahren in irgendwelchen finsteren Höhlen Zeichnungen und Gemälde hinterlassen haben. Damals gab es noch keine Universitäten, daher kann ich nicht sagen, ob die heutigen vergleichsweise schlechter sind. Ich frage mich allerdings, ob in unseren Zeiten hochqualifizierter Fachidiotie die Vorstellung von Universität nicht obsolet geworden ist. Hilft ein nostalgisch verklärter Blick auf eine vergangene Gelehrtenrepublik wirklich, die Probleme der gegenwärtigen Hochschulbildung zu lösen? Vielleicht ist es klüger, die smartphone Neobarbarei als das zu akzeptieren, was sie ist, und ihr ein bisschen Manieren beizubringen. Damit die später auch einmal sagen kann, wie viel besser es doch früher war.

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