Germanistik & Geschichte

Wutbürger, dankt den Griechen!

Karl-Wilhelm Weeber hält im Rahmen von Science Goes Public in Wien einen Vortrag über das Erbe des antiken Griechenlands

Karl-Wilhelm Weeber | aus HEUREKA 1/13 vom 24.04.2013

Wenn der Euro scheitert, dann scheitert Europa." So hat es die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Höhepunkt einer der vielen Euro-Krisen dramatisch zugespitzt - und damit ein jämmerlich einseitiges, da ganz von der Ökonomie dominiertes Verständnis von Europa offenbart. Tatsächlich ist Europa viel mehr - nicht nur, aber auch ein geistig-kultureller Raum, der gerade in Zeiten der Globalisierung Identitätsangebote bereit hält.

Die geistigen Wurzeln dieses Raumes reichen in die Antike zurück. Dabei kommt Hellas als Fundament besondere Bedeutung zu: Dort sind Wissenschaft, Philosophie und Theaterspiel erfunden, das Experiment Demokratie erstmals praktiziert, die wissenschaftliche Medizin begründet und eine Literatur von Weltrang mit gewaltiger Rezeptionswirkung verfasst worden. Man braucht diese Leistungen nicht ideologisch zu verklären, um festzustellen, dass sie bis heute in mannigfacher Weise fortwirken. Dass die meisten Wissenschaftsdisziplinen griechische Bezeichnungen tragen, dass "Politik" und "Logik", "Methode" und "System", "Musik" und "Technik" griechische Begriffe sind, ist Ausdruck des riesigen Inputs, den wir den Griechen verdanken.

Die Errungenschaften des alten Hellas gehören zum nationalen Erbe der modernen Griechen. Das ist kein unproblematisches Erbe, weil es auch als Hypothek empfunden wird. Andererseits ist das Bewusstsein einer großen, in gewisser Weise noch aktuellen Vergangenheit auch ein Moment der Stabilität in Zeiten der Krise, in der viele mitteleuropäische Wutbürger die Hellenen nur mehr als "Bettler vom Balkan" oder "Pleitegriechen" wahrnehmen. Man fragt sich, wo der Aufschrei der Wissenschafts-Community zugunsten der Griechen und ihr Protest gegen die völlige Ökonomisierung des Blicks auf Griechenland bleiben.

Am 13.5. stelle ich ein paar Thesen zum geistigen Erbe des antiken Hellas vor.

Das Erbe der Antike, Klaus Bartels, Karl-Wilhelm Weeber, Karlheinz Töchterle. 13.5.2013,19 Uhr. Aula der Wissenschaften, Wollzeile 27a

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