Böses Blut unter Medizinern

Der Kreislauf des Spenderblutes ist ein knallhartes Geschäft

Dieter Hönig | aus HEUREKA 1/13 vom 24.04.2013

Der Verdrängungswettbewerb macht auch vor dem Blut nicht halt. In Deutschland wird dieser immer öfter auch vor Gericht ausgetragen, so geschehen vergangenen Dezember in Mainz. Es ging um eine Aufwandsentschädigung von 26 Euro der Uni Klinik Mainz für Blutspender. Das Deutsche Rote Kreuz klagte die Uni Klinik wegen versteckter Vergütung. Die Richter gaben der Uni Klinik recht: 26 Euro seien angemessen, zumal das DRK selbst mit großzügigen Geschenken wirbt, wie etwa einem Schlemmerwochenende oder Kochen mit Promis.

Wer Blut spart, zahlt mehr

In Österreich zieht man noch nicht zu Gericht, hier begnügt man sich mit dem Austausch von "Freundlichkeiten" über die Medien.

Im Jahr 2011 lieferten die Blutspendedienste des ÖRK 413.869 Konserven an Krankenhäuser in ganz Österreich. Geschätzte zehn Prozent des Umsatzes entfallen, laut ÖRK Generalsekretär Werner Kerschbaum, auf Plasma, das zum größten Teil an Pharmafirmen geliefert wird.

In Linz wirft der Vorstand der Anästhesie und Intensivmedizin am AKH Linz, Hans Gombotz, der Linzer Blutbank ungerechtfertigte Preiserhöhungen vor: Durch die Einführung des Patient Blood Management seien am AKH Linz jährlich Einsparungen von 900.000 Euro an direkten sowie drei Millionen an indirekten Kosten erzielt worden. Diese gingen nun zu einem Großteil verloren, weil die Linzer Blutbank die Preise ihrer Produkte und Laborleistungen über den Verbraucherpreisindex hinaus erhöht habe.

Der ärztliche Chef der Linzer Blutbank, Christian Gabriel, weist die Vorwürfe zurück: Nicht die Linzer Blutbank bestimme die Preise von Blutkonserven, sondern die oberösterreichische Landesregierung. Bezüglich der Laboruntersuchungen sei, laut Gabriel, keine allgemeine Preiserhöhung eingetreten, sondern es seien zeitabhängig Aufschläge (dringend/nicht dringend, nachts/tags) eingerichtet worden, um Ineffizienzen zu reduzieren.

Kein Spenderblut aus Deutschland

Das Österreichische Rote Kreuz beherrscht mit 95 Prozent an Blutkonserven den Markt. Nur in Deutschland, Belgien und Finnland hat das Rote Kreuz eine vergleichbare Marktposition. Der ehemalige Baxter Chef Peter Mateyka sagt dazu, er hätte sich im Vorjahr angeboten, lyophilisiertes (gefriergetrocknetes) Plasma in Österreich zu vertreiben, das in Deutschland hergestellt wird. Der Vorteil dieses Produkts besteht darin, dass es nicht tiefgekühlt werden muss und so in Notfällen schneller verfügbar ist. Infolge dieses Ansinnens ist sein Vertrag mit dem Deutschen Roten Kreuz aufgekündigt worden. Er vermutet, dass hier das Österreichische Rote Kreuz seine Hände im Spiel gehabt hat.

Beim ÖRK will man auf die Vorwürfe von Mateyka nicht näher eingehen und beruft sich auf mangelnden Bedarf: "Wir haben dem DRK beziehungsweise seinen Blutspendediensten angeboten, dass Nachfragen seitens österreichischer Krankenhäuser beziehungsweise Pharmafirmen nach gefriergetrocknetem Plasma von uns im Sinne eines umfassenden Lieferservices aufgenommen und an die DRK-Blutspendedienste weitergeleitet werden. Es gab bis dato nur keine Nachfrage", sagt Kerschbaum.

Das Milliardengeschäft mit dem Blut

Jährlich werden weltweit über 90 Millionen Blutspenden abgenommen, die Hälfte davon in der EU, den USA und einem halben Dutzend weiterer Industriestaaten. Dazu kommen noch 20 Millionen Liter an Plasmaspenden.

Um ein solches Volumen bereitzustellen, ist ein hoher Aufwand notwendig. Millionen Spender müssen rekrutiert werden, Spenden getestet und dann zu den einzelnen Blutkomponenten weiterverarbeitet werden.

Das hat seinen Preis und deshalb bezahlen die Krankenanstalten in Österreich derzeit für ein Erythrozytenkonzentrat (EK) etwa 140 Euro, für ein Thrombozytenkonzentrat (TK) um die 900 Euro und für eine Einheit Quarantäneplasma rund 95 Euro.

Mit der Verabreichung einer Transfusion fallen im Krankenhaus auch noch Kosten für Labordiagnostik, Kühlkettenlogistik, Durchführung und Überwachung der Transfusionen sowie der Behandlung unerwünschter Nebenwirkungen an.

Eine internationale Studie hat alle diese Aufwendungen im Detail erfasst und gezeigt, dass die Kosten zur Verabreichung eines einzelnen Erythrozytenkonzentrats in Österreich bei 376 Euro, in der Schweiz bei 440 Euro und in den USA noch höher liegen.

Hochgerechnet auf die etwa 380.000 EK, die derzeit in Österreich transfundiert werden, ergibt das über 140 Millionen Euro. In den USA kostet die Verabreichung von EK derzeit rund elf Milliarden Dollar.

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