Sport

Sinn und Bewegung: Die Symbolwirkung des globalisierten Sports auf die Gesellschaft

Toni Innauer | aus HEUREKA 2/13 vom 29.05.2013

Meine Position ist die des Praktikers, der seine philosophische Grundausbildung während seiner Tätigkeit als Trainer, Sportmanager und Sportpolitiker nicht an den Nagel eines pragmatischen Zeitgeistes hängen wollte. Doch stößt Ambivalenz angesichts der kommerziellen Durchdringung des Sports bestenfalls bei kritischen Journalisten oder außenstehenden Beobachtern auf Interesse. Oft fühlt man sich als Spielverderber und irritiert eine verschworene Gemeinschaft von Sport, Wirtschaft und Medien.

Der Zeitgeist im globalen Sport, etwa repräsentiert durch die Olympischen Spiele, hat die Wandlungen und Dynamik der Wirtschaftswelt mitvollzogen und bei einigen Aspekten sogar eine Vorreiterrolle übernommen.

Mit der Bankrotterklärung alternativer Gesellschaftsmodelle Ende der Achtziger fanden sich hemmungslos entfesselter Kapitalismus und Vertreters "des Sieges um jeden Preis" im Sport. Der globale Sport, geprägt vom Fußball mit Fifa und UEFA, ist untrennbar mit Wirtschaft und Medien verschachtelt, keine Rede mehr von "Eigenweltcharakter".

Doch decken Unterhaltung, Ablenkung und Profit den Anspruch einer Gesellschaft an den Spitzensport ab - oder darf man mehr verlangen?

Spitzensport und gerade die größten und steinreichen Institutionen könnten es sich leisten, nicht nur Spiegelbild und hochtouriger Motor einer fragwürdigen globalen Wirtschaftsdynamik zu sein, sondern ein Gegenentwurf für klug geregelten Wettbewerb. Ein Modell, in dem die Erfolgreichsten die Spielregeln nicht auf Kosten der Schwächeren umgehen.

Die Gesellschaft braucht positive Modelle dafür, dass harte Wettbewerbe bei gegenseitigem Respekt durch Talent, Kreativität, Nervenstärke und Trainingsfleiß entschieden wird. Der Spitzensport könnte liefern: Gelebter Respekt unter Konkurrenten und freiwilliges Einhalten von Spielregeln als Sinnstiftung.

Science Talk: Sinn und Bewegung. Toni Innauer, Karlheinz Töchterle und Gunter Gebauer, FU Berlin. 24.6.2013,19 Uhr. Aula der Wissenschaften, Wollzeile 27a

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