Wissenschaftskommunikation: Das Glossar

Jochen Stadler | aus HEUREKA 2/13 vom 29.05.2013

Blog

Weltweitwebtagebuch, das vermehrt auch von Wissenschaftern für interessierte Laien geführt wird. Sie berichten hier etwa über ihre Forschungen, diskutieren populäre Themen (so erklärten Astronomen im Vorjahr ausdauernd, warum die Welt am 21.12.2012 nicht untergehen wird) und kommentieren aktuelle Geschehnisse. Man konnte zum Beispiel kurz nachdem im Februar ein Meteorit über der russischen Stadt Tscheljabinsk zerborsten ist, auf zahlreichen Blogs wissenschaftlich fundierte Erklärungen darüber lesen, was da passiert ist.

Dialog

Austausch von Worten zwischen zwei oder mehreren Personen. Im Gegensatz zum Monolog haben hier alle etwas zu reden, auch wenn von einer Seite manchmal nur Fragen kommen.

Experten/Fachleute

Sind auf einem bestimmten Gebiet überdurchschnittlich bewandert und können dazu detailverliebt Auskunft geben. Haben ihr Wissen meist durch langes Lernen und Arbeiten im jeweiligen Fachgebiet erworben. Sie verlieren den Status "Experten" jedoch sofort, wenn sie ihr Fachgebiet verlassen. Weise Experten berücksichtigen dies, andere glauben, über jedes Thema Bescheid zu wissen.

Experte, selbsternannt

Laie, der vermeint, Expertenstatus zu erreichen, indem er in Opposition zu Fachleuten tritt.

Fachtrottel

Uncharmante Bezeichnung für einen Experten, der so tief in sein Fachgebiet versunken ist, dass er den Kopf nicht mehr über den Tellerrand bekommt, um einen Überblick zu gewinnen oder die Sache einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Fachsprache

Ermöglicht innerhalb einer Forscherclique den präzisen Informationsaustausch. Laien hingegen erkennen in ihren Wortgebilden keinen oder einen ganz anderen Sinn. Dies kann Ehrfurcht auslösen, aber auch dazu führen, dass sie Experten für Fachtrottel halten.

Kommunikation

Prozess, bei dem Informationen übertragen und ausgetauscht werden; braucht mindestens zwei Beteiligte: einen Sender und einen Empfänger, die Rollen können freilich getauscht werden. Wird manchmal auch zum Selbstzweck geführt, etwa im Small Talk oder bei Festreden.

Laie

Experte, der einen Schritt aus seinem Fachgebiet heraus gemacht hat.

Monolog

Im Theater Selbstgespräch genannt, auf der Uni oder in Forschungszentren wissenschaftlicher Vortrag. Kann unter Umständen in einen Dialog ausarten.

Neue (wissenschaftliche) Erkenntnis

Erreicht den Laien über seine Sinnesorgane, dringt in sein Gehirn vor und verweilt dort manchmal für einige Zeit. Wird aktiv aufgenommen, wenn es sich um ein interessantes Thema handelt, ist aber für den Laien sinnlos, wenn sie unverständlich und kompliziert daherstolziert, denn dann weigern sich seine grauen Zellen, die Information aufzunehmen.

Öffentlichkeitsarbeit/Wissenschafts-PR

Rückt die Arbeit und neue Erkenntnisse von Forschungsinstitutionen in das Scheinwerferlicht, um ihr Ansehen zu steigern. So können führende Forscher, Nachwuchswissenschafter und Fördergelder angezogen werden wie die Motten. Oder hängt das eher mit der wissenschaftlichen Reputation zusammen?

Open Access Publikation

Wissenschaftliche Veröffentlichung, die im Internet frei verfügbar ist. Oft zahlen die Autoren dafür Publikationsgebühren.

Populärwissenschaftliche Literatur

Zeitschriften und Bücher, die meist von Wissenschaftern oder Journalisten verfasst werden und Laien wissenschaftliche Themen auf möglichst unterhaltsame und verständliche Art vermitteln wollen.

Presseaussendung

Von Öffentlichkeitsarbeitsstellen (PR-Abteilungen) an Journalisten verschickte Schriftstücke, die im Fall von Forschungseinrichtungen über neue Ergebnisse, Erfolge und wissenschaftliche Veröffentlichungen informieren. Von Wissenschaftsjournalisten als Ausgangsquelle der Recherche aufgefasst und natürlich niemals mittels "Kopieren - Einfügen" übernommen.

Pressekonferenz

Ereignis, das nicht nur stattfindet, wenn Politiker etwas verkünden oder sich für etwas rechtfertigen wollen, sondern mitunter auch, wenn Forscher Neues entdeckt haben. Zum Beispiel einen erdähnlichen Planeten oder eine neue Therapie gegen Krebs.

Pressestelle

In Forschungszentren meist ein kleines Büro, das immer dorthin zieht, wo gerade ein Abstellraum freigeworden ist. Soll die Erfolge des Instituts in die Öffentlichkeit tragen und die neuesten Forschungsergebnisse in einer auch für Laien verständlichen Art und Weise öffentlich machen. Das Ganze möglichst, ohne die Wissenschafter bei der Arbeit zu stören.

Semmelweis-Reflex

Reaktion auf neue Informationen und wissenschaftliche Erkenntnisse, die etablierten Glaubens- und Gewohnheitsrechten so sehr widersprechen, dass man gar nicht erst darüber nachdenken muss, um sie abzulehnen und den Überbringer für geistig umnachtet zu erklären.

So geschah es, dass der ungarischösterreichische Mediziner Ignaz Semmelweis die Wiener Ärzteschaft gegen sich aufbrachte, als er nachwies, dass sie am Tod vieler Wöchnerinnen schuld waren, weil sie ihre Hände nach dem Leichensezieren nicht desinfizierten. Semmelweis' Erkenntnisse wurden als "spekulativer Unfug" abgetan, er selbst in die Irrenanstalt Döbling eingewiesen, wo er schon zwei Wochen später starb. Offiziell an einer Gehirnlähmung, meist jedoch wird eine Blutvergiftung nach einer kleinen Verletzung als Ursache genannt. Als man seine Leiche exhumierte, fand man aber angeblich gebrochene Hand-, Arm-und Brustbeinknochen. Das macht Berichte glaubhaft, wonach er am Anstaltshof von Pflegern erschlagen wurde.

Übersetzer

Dolmetscht zum Beispiel Englisch-Französisch, Spanisch-Chinesisch oder Wissenschaft-Deutsch.

Wissenschaft

Erweitern des Wissens durch Forschung und Weitergabe der neuen Erkenntnisse als wissenschaftliche Veröffentlichung. Auch ihre Ergebnisse einem breiten Publikum verständlich zu machen, zählen manche Wissenschafter zu ihren Aufgaben. Andere delegieren dies an Journalisten und Pressestellen.

Wissenschaftliche Veröffentlichung

Bericht über Forschungsergebnisse in einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Bevor die Herausgeber diese allerdings abdrucken oder online stellen, lassen sie von unabhängigen Wissenschaftern prüfen, ob die Daten korrekt aussehen und neue Erkenntnisse bringen.

Wissenschaftliche Zeitschrift

Fachzeitschrift mit Artikeln von Wissenschaftern eines speziellen Gebiets für Wissenschafter desselben Fachs. Für Laien, also auch Wissenschafter anderer Fachrichtungen, sind solche Artikel meist nicht zu verstehen. Sie müssen der Übersetzung von Fachjournalisten oder der Zusammenfassung von Kollegen glauben.

Wissenschaftsjournalist

Sollen unter all den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen jene auswählen, die auch für Laien interessant sind und sie betreffen und sie verständlich sowie spannend aufbereiten, sei es als gedruckte oder online veröffentlichte Geschichten, Fernsehdokumentationen oder Radiosendungen. In Österreich eher Exoten, da nur in einer Handvoll von Medien vertreten, die mit Qualitätsjournalismus Eindruck schinden wollen.

Wissenschaftskommunikation

Soll dazu führen, dass Laien die Welt der Wissenschafter besser verstehen. Die Wissenschafter und Institutsmanager erhoffen sich dadurch, dass ihre Forschungsergebnisse und Entwicklungen auf Akzeptanz treffen und die Politik mehr Forschungsgelder flüssig macht. Laien werden so besser informiert, wo ein mickriger Teil ihrer Steuergelder hinverschwindet und erfahren mehr über sich selbst und den Rest der Welt.

Wissenschaftssprache

Einst Latein und Arabisch, dann Deutsch und spätestens, nachdem die Nazis versuchten, die hiesige Intelligenz auszurotten und diese größtenteils nach Amerika floh, sprechen die führenden Wissenschafter Englisch.

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