Freistetters Freibrief

Zeit - wofür?

Florian Freistetter | aus HEUREKA 2/13 vom 29.05.2013

Kommst du da überhaupt noch dazu, deine wissenschaftliche Arbeit zu machen?" "Ist das nicht ein bisschen Zeitverschwendung, was du da machst?" Solche und ähnliche Kommentare kann man sich als Wissenschafter von seinen Kollegen leicht einhandeln, wenn man sich allzu intensiv mit der Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt.

Öffentlichkeitsarbeit wird leider immer noch viel zu oft als etwas angesehen, das die wissenschaftliche Arbeit stört und behindert. Dabei sollte genau das Gegenteil der Fall sein! Natürlich ist es wichtig, dass Wissenschafter forschen. Ohne Forschung macht Wissenschaft keinen Sinn. Aber Wissenschaft ist mehr als nur Forschung. Was bringen die spannendsten Forschungsergebnisse, wenn sie nicht kommuniziert werden?

Wissenschafter müssen mit dem Rest der Gesellschaft kommunizieren. Denn in den meisten Fällen ist es ja genau diese Gesellschaft, die auf dem Umweg der Steuergelder die Forschungsarbeit finanziert. Sie hat ein Recht darauf zu erfahren, was die Wissenschaft treibt. Aber auch die Wissenschafter profitieren davon. In einer Gesellschaft, die der Wissenschaft gleichgültig oder gar feindlich gegenübersteht, ist das Leben für die Forscher schwierig. Wenn es Wissenschaftern jedoch gelingt zu vermitteln, warum ihre Arbeit nicht nur wichtig, sondern auch faszinierend ist, bereichert das auch ihre Arbeit. Und sichert sie ab: Wenn Politiker wieder einmal Fördermittel für die Forschung kürzen wollen, wird ihnen das wesentlich leichter fallen, wenn die Wähler keine Ahnung von Wissenschaft haben.

Das Klischee vom Wissenschafter im Elfenbeinturm, der unbehelligt und ungestört von der ignoranten Allgemeinheit vor sich hin forschen möchte, ist leider immer noch viel zu oft Realität. Wissenschaft muss in ständigem Kontakt mit dem Rest der Gesellschaft stattfinden. Öffentlichkeitsarbeit darf nicht mehr nur als privates Hobby einiger weniger engagierter Wissenschafter verstanden werden.

Sie muss neben der Forschung ein gleichberechtigter und gleich wichtiger Teil der wissenschaftlichen Arbeit werden.

Vielleicht sollte man in Zukunft öfter fragen: "Hast du denn bei all der Forschung überhaupt noch Zeit für die Öffentlichkeitsarbeit?"

Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/ astrodicticum-simplex

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