Münz' und Kunst machen Geschichte anschaulich

Im Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums ist eine bemerkenswerte Schau zu sehen

Sonja Burger | aus HEUREKA 2/13 vom 29.05.2013

Münzen üben auf Sammler wie Forscher eine besondere Faszination aus. Im Internet bestehen Foren, wo sich Sammler, Händler und Numismatiker austauschen. Fotos von Münzen werden online gestellt und oft folgt eine fachkundige Antwort, meist sogar inklusive geografischer und zeitlicher Angaben.

Für viele Laien mutet dieses Gebiet dennoch antiquiert an und so zählen die Münzkabinette von Museen oft zu deren unattraktivsten Bereichen. Dabei lässt sich über die wissenschaftliche Bestimmung von Münzen die Geschichte, Kunst und Ökonomie von Gesellschaften sehr gut rekonstruieren.

Mehr Forscher sehen mehr

Die wissenschaftliche Vorgangsweise, speziell die Methodik und die Deutung dessen, was auf den Münzen zu sehen ist, wurde laufend verbessert und die Interdisziplinarität gewinnt ständig an Bedeutung.

Für den Numismatiker Matthias Pfisterer vom Kunsthistorischen Museum Wien war der Blick über die eigenen Fachgrenzen eine lehrreiche Erfahrung. Das Thema seines vom FWF geförderten, mehrjährigen Forschungsprojekts ist die vorislamische Münz- und Geldgeschichte Pakistans und Nordwestindiens. Dies liegt in der Tradition des österreichischen Numismatikers Robert Göbl (1919-1997), einem Experten für die antike Münzprägung Mittelasiens.

Darüber hinaus setzte Pfisterers Team erstmals auf intensive Kooperation, unter anderem mit dem Institut für Geografie und Regionalforschung der Universität Wien. Diese Interdisziplinarität und die präzisen Zeichnungen von den vorhandenen Münzen der Künstlerin Theresa Eipeldauer ermöglichten Pfisterer eine genauere und anschauliche Rekonstruktion der Herrschaftsstrukturen der iranischen Hunnen. Diese hatten ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. weite Teile Zentralasiens vom heutigen Usbekistan bis zu Teilen Indiens erobert und prägten die Geschichte dieser Region.

Das Bild der Hunnen revidiert

Schon Göbl stand vor dem Problem, dass die historischen Quellen über die iranischen Hunnen entweder nur bruchstückhaft existierten, oder eine negative Tendenz aufwiesen und die Hunnen als Barbaren darstellten.

"Münzfunde waren damals wie heute die einzige Chance, Herrschaftsstrukturen zu rekonstruieren, da Münzen überall zu finden sind", erklärt Pfisterer. Ihm genügte es aber nicht, sich die einzelnen Münzen anzusehen, er wollte die Ikonografie und Symbolik quasi "sezieren".

Unterstützt wurde er von Eipeldauer, die Zeichnungen für jedes wichtige Detail anfertigte. Anhand derer revidierte er die Annahme Göbls, dass viele der verschiedenen Porträts auf den Münzen einem einzigen Herrscher zuzuordnen sind.

"Jetzt ist belegt, dass gleichzeitig, allerdings verteilt auf verschiedene Regionen, bis zu vier Herrscher regierten", sagt der Numismatiker. Dies ist ein wichtiger Aspekt, um die Geschichte dieser Hochkultur besser zu verstehen. In einer multimedialen Sonderausstellung im Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums sind diese und andere neue Ergebnisse für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich.

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