Was am Ende bleibt

Bücher: verboten, verboten!

Erich Klein | aus HEUREKA 2/13 vom 29.05.2013

Am Anfang war das Wort und das Wort wurde von der katholischen Kirche verwaltet, die 1559 zu diesem Behuf den "Index librorum prohibitorum" erfand. Der "Index" blieb bis 1966 gültig. Prominente Namen auf der Bestenliste der römischen Verbote: Von Balzac bis Simone de Beauvoire. Im Grund ging es um dasselbe Problem, das schon den Philosophen Platon die Dichter aus seinem idealen Staat hatte verbannen lassen: Sie würden sich an der einen und unveränderlichen Wahrheit vergreifen. Und die wird immer oben verwaltet.

In der christlichen Neuzeit kam diesbezüglich erschwerend die Welt des Buchdruckes hinzu. Bei Heinrich Heine heißt es: "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen." So weit ging die heilige Kongregation der Eminenzen im Fall Heine, der ob Spottlust und Gotteslästerei mit vier Titeln auf dem Index stand, nicht. In einem Fall irrte Heinrich Heine allerdings, als er dachte, Deutschland sei hinkünftig frei, kein Pfaffe werde mehr deutsche Geister einkerkern. Deren nationalsozialistische Nachahmer verbrannten seine Bücher.

Die "Aktion wider den undeutschen Geist" in Berlin am 10. Mai 1933, eineinhalb Monate nach Hitlers Machtantritt, wurde von Propagandaminister Goebbels höchstpersönlich eröffnet: Die Zeit des "jüdischen Intellektualismus" sei jetzt vorbei, dem deutschen Weg werde wieder "eine Gasse frei gemacht". Was folgte, war nicht die einzige Bücherverbrennung der Geschichte, aber die wohl am effektvollsten inszenierte - in Anwesenheit von Radio und Filmkamera. Dem Feuer "übergeben" wurden hundertsiebenundzwanzig Schriftsteller - von Bertolt Brecht bis Stefan Zweig. Von manchen Autoren wurden nur "ausgewählte" Werke verbrannt, bei anderen wie Karl Marx kurz und bündig "alles". Österreich zog in der Kulturhauptstadt Salzburg unter Anleitung des Naziautors Karl Springenschmid am 30. April 1938 mit einer Bücherverbrennung nach.

Nach dem Ende der Nazis erstellten die Befreier ihrerseits Listen verbotener und aus Bibliotheken auszuscheidender Bücher. Ein zumutbarer Akt des Gedenkens wäre, sich zumindest einmal sowohl einen der von den Nazis verbotenen Autoren als auch einen der nach 1945 verbotenen Verfasser, die sich in allen öffentlichen Bibliothekskatalogen noch immer befinden, zu Gemüte zu führen. Auch wenn es sich bei letzteren um verbrecherischen Schwachsinn handelt.

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