Kommentar

Wissenschaftliches Publizieren

Christoph Kratky | aus HEUREKA 2/13 vom 29.05.2013

Kommunikation ist in der Wissenschaft genauso wichtig wie der Erkenntnisgewinn an sich. Schlaue Einsichten oder bahnbrechende Beobachtungen werden erst dann zur Wissenschaft, wenn sie der Community zur Kenntnis gebracht wurden. Da die modernen Wissenschaften ein weltweites Phänomen sind, sind auch die Prinzipien des wissenschaftlichen Publizierens in Europa dieselben wie in Amerika oder Asien. Allerdings gibt es sowohl fach- als auch länderspezifische Unterschiede.

In den Natur-, den Lebenswissenschaften und der Medizin werden fast ausschließlich Zeitschriftenartikel publiziert - in Englisch. Publikationen in anderen Sprachen gibt es zwar noch, sie fristen aber bestenfalls ein Nischendasein.

In den Geistes-, Kultur- und zum Teil auch in den Sozialwissenschaften werden hingegen vorwiegend Monografien in der jeweiligen Landessprache veröffentlicht. Die Gründe dafür sind vielfältig: In einigen Fachgebieten erwartet man nur eine nationalsprachige Perzeption, in anderen wird der Sprache eine weit über die reine Kommunikationsaufgabe hinausgehende Bedeutung zugemessen. Schließlich spielen auch historische und kulturelle Gründe eine Rolle.

Neben der Informationsverbreitung spielt das wissenschaftliche Publizieren eine zentrale Rolle für die Karriereentwicklung. Bei jedem Karriereschritt ist die wichtigste Frage jene nach Quantität und Qualität der wissenschaftlichen Publikationen der in Frage stehenden Person. Das Kriterium "Qualität" sollte die Signifikanz und Originalität der veröffentlichten wissenschaftlichen Ergebnisse widerspiegeln; in der Praxis begnügt man sich jedoch meist damit, das Renommee der Formate, der Verlage, bei denen die Ergebnisse veröffentlicht wurden, als Beurteilungskriterien heranzuziehen. Das führt in vielen Fachgebieten zu einer problematischen Überbewertung bibliometrischer Indikatoren.

Aus der Diffusion wissenschaftlicher Erkenntnisse und Ergebnisse ist das Internet nicht mehr wegzudenken. Gedruckte Zeitschriftenartikel findet man immer weniger; das Internet ist im Vormarsch, mit dem Ergebnis, dass in den letzten Jahren die "Open-Access-Bewegung" mit ihrer Forderung nach freiem Zugang zu sämtlichen wissenschaftlichen Ergebnissen einen immensen Aufschwung genommen hat. Dies wird - ähnlich wie in der Musikindustrie - zu einer Änderung der Geschäftsmodelle wissenschaftlicher Verlage führen.

Christoph Kratky ist Präsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich FWF

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