Editorial

Christian Zillner | aus HEUREKA 2/13 vom 29.05.2013

Weil ja bei vielen Zeitgenossen der Wunsch nach geordneten Verhältnissen herrscht und ein seltsames Sehnen nach Regimen aufkommt, die eine "ordentliche Beschäftigungspolitik" machen, setze ich gern eine kurze Information über eben jenes Regime hin, das vielen unter uns offenbar immer noch am Herzen liegt.

Sie soll auch ein bisschen Licht in deutsche Geldverhältnisse bringen. Das schlechte Gewissen, das man dort und hierzulande hat, weil sich Griechen, Irländer und andere Europäer bis zum Gehtnichtmehr einschränken müssen, damit unsere Banken unsere Einlagen garantieren können, kann mit ein bisschen Erinnerung vielleicht noch verstärkt werden. In der New York Review of Books schreibt Robert Kuttner:

"Die Alliierten schrieben nach dem Krieg 93 Prozent der Schulden ab, die Nazideutschland angehäuft hatte. Schon 1939 betrug das Verhältnis in Deutschland von Schulden zu Bruttonationaprodukt 675 Prozent. In den frühen Fünfzigern hatte Deutschland durch den Schuldenerlass weniger Schulden als die meisten Alliierten. Dieser Akt makroökonomischer Gnade ist aus dem Gedächtnis der gegenwärtigen deutschen Austeritätspolizei verschwunden. Welche fiskalischen Sünden die Griechen auch immer begangen haben, die der Nazis waren viel schlimmer."

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