Editorial

Christian Zillner | aus HEUREKA 3/13 vom 26.06.2013

Also wieder Hochwasser. Letzten Sommer stand ich mitten in Ferarra und starrte ungläubig auf eine Markierung, die ich trotz fehlender Italienischkenntnisse als Hochwassermarke akzeptieren musste. Damals war der Po schuld. Heute sehen wir im Klimawandel und in der dichten Bebauung ehemaliger Flussauen den Grund für das eben verlaufene Hochwasser. Bei Besuchen in Ybbs letztes Jahr habe ich den wirklich feschen neuen Hochwasserschutz mehrfach bestaunt - und er hat heuer gehalten. Allerdings gibt es auch dort Hochwassermarken an Hauswänden, die weit darüber liegen.

Niemand mag den Klimawandel - seine Folgen sind für uns Menschen unangenehm bis katastrophal. Und wir müssen etwas dagegen unternehmen. Trotzdem, und obwohl er massenhaft Klimaverlierer verursachen wird, halte ich ihn für eine Erscheinung, die unsere Entwicklung positiv beeinflusst. Seine Komplexität fordert eine gewaltige Anpassungsleistung von uns. Und die hat, wie neuere Ergebnisse über das Klima Afrikas in der Geburtsphase der Menschheit vor 2 Millionen Jahren zeigen, uns wohl überhaupt erst möglich gemacht. Nietzsches Übermensch ist also einer, der sich erfolgreich dem Klimawandel anpassen kann. Eine brutale Herausforderung, aber eine, der wir mit Zuversicht entgegensehen sollten.

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