Medizin

Was sagen S', Frau Doktor, i soll zu an Tierarzt geh'n?

Anfang Mai eröffnete das Labor für Komparative Medizin an der Vetmeduni Wien

Sonja Dries | aus HEUREKA 3/13 vom 26.06.2013

Genetische Informationen, Anatomie und Krankheitsbilder sind bei Mensch und Tier oft nahezu identisch. Diesen Umstand machen sich Forscher zu Nutze, wenn sie neue Medikamente und Therapien an Nagern, Hunden oder Primaten testen.

Humanmediziner nutzen die Ergebnisse, um neue Arzneimittel für den Menschen zu entwickeln. Obwohl auch die Tiere von diesen Erkenntnissen profitieren könnten, war die Zusammenarbeit zwischen Human- und Veterinärmedizin in Österreich bisher kaum vorhanden. Doch Anfang Mai eröffnete das Labor für Komparative Medizin an der Vetmeduni Wien.

Leiterin Erika Jensen-Jarolim, die seit 2011 auch den Lehrstuhl für Vergleichende Medizin hält, soll mit dem Labor eine Brücke zwischen MedUni Wien und der Vetmed schlagen und Vorurteile, die zwischen den beiden Disziplinen bestehen, aufbrechen.

Die Einrichtung ist Teil des Messerli Forschungsinstituts, einem Kompetenzzentrum, das sich auf die Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung spezialisiert hat. Ein thematischer Schwerpunkt des Labors liegt auf der Tumorforschung. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe führt momentan eine Impfstudie gegen Krebserkrankungen bei Hunden durch.

Die Allergieforschung bildet den zweiten Interessenschwerpunkt. Dabei geht es sowohl um Allergien der Besitzer gegen ihre Haustiere als auch Reaktionen der Tiere selbst auf die vom Mensch geschaffene Umwelt. Die Laborleiterin nennt als Beispiel ein Forscherteam, das dem Wahrheitsgehalt der Existenz von "hypoallergenen" Hunden und Katzen auf den Grund geht, die angeblich keine oder kaum Allergien beim Menschen hervorrufen sollen.

Ein weiteres wichtiges Thema ist für Jensen-Jarolim die oft paradoxe Beziehung zwischen Mensch und Tier: "Die Menschen sehen ihr Haustier als Familienmitglied und besten Freund, doch sobald es krank wird, wollen viele nichts mehr damit zu tun haben."

Grund dafür sei oft Unwissen und die Angst vor finanzieller und zeitlicher Belastung. Die verstärkte Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizinern im neuen Labor für Komparative Medizin soll dem in Zukunft mit effektiveren Therapiemöglichkeiten, besseren Medikamenten und Aufklärung der Tierbesitzer entgegenwirken.

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