Brief aus Brüssel

Emily Walton | aus HEUREKA 3/13 vom 26.06.2013

Nach einem Jahr in Brüssel kennt man die beliebtesten Pommes-Standeln (Friterien) der Stadt. Mit Überzeugung kann ich sagen: Die besten belgischen Frites gibt es bei Maison Antoine - einem Stand im EU-Bezirk, mitten auf dem Place Jourdan.

Anzugträger, Touristen, Schüler - alle stellen sich hier geduldig um ein Cornet (ein Papierstanitzel) Fritten an, oft sogar eine halbe Stunde lang. Geht nicht die ganze Mittagspause drauf, sieht man die Europäer im Park sitzen und ihre Pommes in Ketchup, Senf oder Mayonnaise tauchen.

Wer das Glück hat, eine längere Mittagspause zu haben, kann seine Frites sogar in eines der benachbarten Lokale mitnehmen und dort essen. Die Wirte im EU-Viertel sind liberal und klug. Sie wissen: Wenn sie Pommes erlauben, trinken die Kunden mehr.

Einige Stunden später, nach Dienstschluss dann, verändert sich das Bild in Brüssel: Turnschuhe statt Stöckelschuhe sind zu sehen. Es ist Zeit, das Fett rauszuschwitzen.

Sporteln in einer Genusshauptstadt wie Brüssel - das ist unverzichtbar. Sport macht es möglich, trotz Pommes, Pralinen und Bier die Figur zu behalten. Außerdem macht der Sport gute Laune, wenn es in diesen Breiten über Monate hinweg grau ist. (Belgien ist eines der regenreichsten Länder in der EU!) Also heißt es: Hinein ins Laufgewand und hinaus in den Park!

So grau das Wetter in Brüssel ist, so grün ist die Stadt -auch im EU-Viertel. Im Parc Leopold direkt unter dem Parlament und im Parc du Cinquantenaire nahe der Kommission drehen die Sportlichen ihre Runden.

Brüssel ist ein Open-Air-Fitness-Center. Manchmal wird daraus auch ein Open-Air-Event: Zum Beispiel dann, wenn im Ratsgebäude ein EU-Gipfel abgehalten wird und Staatsmänner und -frauen kommen. Helikopter kreisen dann über das Gebiet und die Läuferinnen und Läufer im Park bekommen Polizeischutz. (Hier werden nämlich die Polizeipferde getränkt.)

Während eines Gipfels müssen jene, die nicht für die EU arbeiten, allerdings noch eine extra Runde schwitzen: Das Gebiet rund um das Ratsgebäude wird abgesperrt. Wer keine Autorisierung hat, muss große Umwege in Kauf nehmen, wenn er in den Park zum Laufen möchte.

Der innere Schweinehund ist da natürlich groß. Und die Frage taucht auf: Warum nicht gleich am Fritten-Stand bleiben und morgen wieder sporteln?

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