Zoologie und Sozialpsychologie

Ein Krebs, vier Kilo schwer

Ein Einsiedlerkrebs wurde die Schneckenschale los und wuchs zum Kokosnussknacker heran

Anja Stegmaier | aus HEUREKA 3/13 vom 26.06.2013

Schon Charles Darwin notierte 1836 ungläubig in sein Reise-journal, was erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts nachgewiesen werden konnte: Der Palmendieb, der größte an Land lebende Krebs, schält oder sprengt mit seinen kräftigen Scheren Kokosnüsse und verzehrt sie. Früchte, Pflanzenmaterial, Aas und andere Krabben stehen auf dem Speiseplan. Der Mythos, Birgus latro klettere in mageren Zeiten auf Palmen, um Kokosnüsse zu ernten, konnte nicht bestätigt werden.

Unreife Nüsse interessieren den Einsiedlerkrebs weniger. Trotzdem treibt es das Tier oft Spinnen gleich auf Palmen. Darüber hinaus ist er aber auch ein Navigationstalent. Eine Forschergruppe des Max-Planck-Institutes in Jena und der Uni Greifswald fand mithilfe eines GPS-gestützten Trackingsystems heraus, dass die bis zu vier Kilo schweren Allesfresser an die vier Kilometer weite Wanderungen von der Küste in den Regenwald bis zum Landinneren und retour zurücklegen.

Die Halbnomaden, die bis zu 80 Jahre alt werden, fanden trotz kilometerweiter Verschleppung in blickdichten Beuteln wieder an ihren Ausgangsort zurück. Einige Krebse schlagen individuelle Routen beim Rückweg ein, andere nehmen identische Routen unabhängig voneinander. Vermutet wird, dass der Zehnbeiner sich seinen Kurs anhand visueller Besonderheiten sucht.

Aber auch gefühlte Veränderungen des Untergrunds, Gerüche sowie den Stand der Gestirne benutzt das findige Tier möglicherweise, um sich zu orientieren. Seine Robustheit verdankt der Krebs im Lauf seiner Entwicklung dem Verzicht auf die schützende Schneckenschale. Das erlaubt ihm ein größeres Wachstum, was das Feindspektrum stark minimiert. Wegen seines schmackhaften Fleisches wurde der Krebs gerne von Menschen gejagt, da nutzte leider auch das Klettern auf Palmen nichts.

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