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Grundlagen

Florian Freistetter | aus HEUREKA 3/13 vom 26.06.2013

Im Juni wurde die Astrobiologin Pascale Ehrenfreund zur Präsidentin des FWF gewählt. Der FWF ist eine vom Staat eingerichtete Institution, deren Aufgabe die Förderung der Grundlagenforschung ist. Grundlagenforschung wie Astrobiologie: Hier wird die Existenz von außerirdischem Leben erforscht - und das könnte kaum weiter von einer konkreten Anwendung entfernt sein. Astrobiologie und andere anwendungsfreie Forschungsgebiete sind auf staatliche Förderung angewiesen. Sie bringen nichts hervor, mit dem Geld verdient werden kann. Astrobiologen müssen vom Staat bezahlt werden, denn es gibt keinen Grund, warum Industrie und Wirtschaft dafür Geld ausgeben sollten. Oder vielleicht doch?

Natürlich ist Grundlagenforschung profitabel! Es kann gar nicht anders sein, denn wie der Name schon sagt, bildet diese Forschung die Grundlage für alles andere. Ohne Grundlagenforschung kann es keine anwendungsorientierte Forschung geben und damit auch nichts, was man produzieren und verkaufen kann. Es dauert halt manchmal ein bisschen.

Als Max Planck im Jahr 1900 über das Problem der "Schwarzkörperstrahlung" nachdachte und schließlich seine Arbeit "Ueber das Gesetz der Energieverteilung im Normalspectrum" veröffentlichte, dachte auch niemand daran, dass aus dieser damals völlig anwendungsfreien Forschung später eine ganze neue Wissenschaft enstehen sollte, die heute die Grundlage so gut wie all unserer Technik bildet. Die Grundlagenforschung von Planck war die Geburtsstunde der Quantenmechanik, ohne die wir heute weder Computer noch Laser noch unzählige andere Produkte hätten.

Leider ist sowohl die Wirtschaft als auch die Politik immer unwilliger, langfristig zu denken und zu planen. Der Profit muss sofort sichtbar sein, am besten noch vor der nächsten Jahresbilanz oder der nächsten Wahl. Die Förderung der anwendungsorientierten Forschung stellt schnelle Ergebnisse sicher (und ist für den technischen Fortschritt auch absolut notwendig). Wird darüber aber die Förderung der Grundlagenforschung vergessen, hört der Fortschritt irgendwann auf. Und damit auch der Profit.

Der lässt sich auch mit Astrobiologie machen -irgendwann in der Zukunft auf jeden Fall!

Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/ astrodicticum-simplex

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