Kommentar

Studiengebühren? Bin dafür!

Erhard Busek | aus HEUREKA 3/13 vom 26.06.2013

Ein wenig verwundert es mich, dass die Politik nicht in der Lage ist, bei den Studiengebühren zu einem Ergebnis zu kommen. Sie haben eine sozialpsychologische Bedeutung. Als "älteres Modell" erinnere ich mich, dass wir Studiengebühren an Höheren Schulen und der Universität bezahlt haben - wenig, aber immerhin. Die Belastungen durch Bücher, allfällige Kurse etc. waren höher.

Der Erhalt unserer universitären Landschaft hängt nicht von Studiengebühren ab. Aber natürlich macht es einen Unterschied, was hier zusätzlich zu den Budgets der Fachhochschulen und Unis gewonnen werden könnte.

Der Anlauf zu Studiengebühren an Unis ist im Wahlkampf der letzten Nationalratswahlen mit den legendären August-Beschlüssen gescheitert - bei Fachhochschulen waren Studiengebühren jedoch von Anfang an selbstverständlich. Auch hier ist die Landschaft nicht einheitlich, denn einige Bundesländer bezahlen Studierenden die Gebühren, andere nicht.

Studiengebühren als Steuerungsinstrument für Studierendenzahlen sind sinnlos. Es muss ein Stipendienwesen geben, das versucht, eine Startgerechtigkeit für Studierende aller Schichten zu schaffen. Interessanterweise ist die soziale Schichtung an Fachhochschulen trotz Studiengebühren weitaus besser als an den Unis. Es kann also nicht am Geld liegen.

Das ist ein Argument für die Fachhochschulen, das dazu geführt hat, dass auch die Arbeiterkammer für mehr Fachhochschulplätze eintritt und dazu mitteilt, dass man die Studiengebühren grundsätzlich ablehne, aber zur Kenntnis nehmen muss, was aber einer Erhöhung der Studienplätze nicht im Wege stehen soll.

Studiengebühren sind ein Steuerungselement für die eigene Lebensführung und ein Zeichen der Verantwortlichen, nicht nur der Eltern und des Staates, sondern auch der Studierenden. Wäre ich heute Studierendenvertreter, würde ich für Studiengebühren eintreten und die Gegenleistung einer stärkeren Überprüfung unterziehen. Auch jenseits aller Marktwirtschaft gilt die Überlegung, dass Leistung und Gegenleistung in einem Verhältnis stehen müssen.

Also, ich bin für Studiengebühren, selbstverständlich für ein Stipendienwesen, erwarte mir aber davon nicht zu viel. Ich habe allerdings den Eindruck, dass wir gegenwärtig nicht allzu viel aus dem öffentlichen Säckel für unsere Unis und Fachhochschulen erwarten können, wenngleich, wie die Medizinische Fakultät für die Uni Linz zeigt, man auf anderen Gebieten wieder großzügig ist. Vielleicht also doch Studiengebühren?

Erhard Busek Ex-Wissenschafts- und Ex-Unterrichtsminister ist u.a. Vorstand des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa

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